Rund hundert Demonstranten vor Wiener Uni
- Kundgebungen zum 8. Mai verliefen großteils friedlich
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FP-Politiker Jung unter Beschuss
Knapp 100 linksgerichtete Demonstranten haben sich Donnerstag Abend vor der Wiener Universität versammelt, um gegen eine Podiumsdiskussion des Ringes Freiheitlicher Studenten (RFS) mit dem umstrittenen Historiker Claus Nordbruch zu protestieren. Die Kundgebungen am 8. Mai, Erinnerungstag an die Kapitulation Hitler-Deutschlands 1945, verliefen im Großen und Ganzen ruhig, ohne größere Zwischenfälle. Der Polizei ist es gelungen, in Wien die Demonstrationen der Burschenschafter und ihrer Gegner auseinander zu halten.
Nach 19:00 Uhr zogen die Demonstranten am Donnerstag weiter an den "Rand der Sperrzone" nahe des RFS-Lokals. Dort versuchten sie mit Parolen wie "Nazis raus" und "Ihr seid die Vergangenheit" auf sich aufmerksam zu machen. Eine ernsthafte Störung der Podiumsdiskussion ist ihnen damit allerdings nicht gelungen, denn die Zahl der Kundgebungsteilnehmer hielt sich in Grenzen.
Die Polizei hatte innerhalb der Sperrzone einen Wasserwerfer und zahlreiche Beamte in Stellung gebracht. Baustellen in der Umgebung wurden vorsorglich abgeräumt, Pflastersteine - potenzielle Wurfgeschosse" für mögliche Ausschreitungen - wurden beseitigt.
Nordbruch, der gestern Abend bereits am Fackelzug der Burschenschafter teilgenommen hatte, wird vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) und vom Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen als "rechtsextremistisch" eingestuft.
SPÖ bei Vermummungsverbot gesprächsbereit
Die SPÖ erklärte sich heute für ein "deeskalierendes Vermummungsverbot" gesprächsbereit, lehnt aber ein generelles Verbot der Unkenntlichmachung sowie Freiheitsstrafen nach wie vor ab. Die FPÖ sieht darin ein Einlenken der großen Oppositionspartei.
Kleine Zwischenfälle: Eier, Tomaten und ein Siegfried ohne Nase
Zu Zwischenfällen kam es am Mittwoch vor allem beim Demonstrationszug durch die Stadt und einer von der Hochschülerschaft organisierten Menschenkette rund um die Universität. Ein "Alter Herr" mit dem traditionellen Band wurde unter Rufen "Nazis raus von unserer Uni" mit Eiern und Tomaten beworfen. Auch der umstrittene "Siegfriedskopf" in der Aula der Uni Wien wurde wiederholt Ziel von Attacken, ihm wurde von Vermummten die Nase abgeschlagen. Die Veranstaltung vor der Uni löste sich nach 21.00 Uhr langsam auf.
Von der Uni aus startete auch der Demonstrationszug des Bündnisses "Verhindert den Nazi-Aufmarsch". Die gewünschte Route durch die Sperrzone war von der Polizei untersagt worden. Der Weg führte daher durch die Innenstadt an der Hofburg vorbei und dann über den Ring wieder zur Uni, wo rund 1.500 Personen mit Musik weiter feierten.
Kurzes Aufflackern von Gewalt: Eier & Flaschen flogen gegen Polizisten
Den Burschenschaftern am nächsten kam der Demo-Zug mit laut Polizeiangaben 3.000, laut Veranstaltern bis zu 6.000 Teilnehmern gegen 21.00 Uhr in der Augustinerstraße. Dort riegelte die Polizei den weiteren Weg ab, auch Wasserwerfer waren in Stellung. Die Demonstranten reagierten auf die Sperre mit dem Werfen von Eiern und Raketen, sie schrien "Polizisten schützen Österreichs Faschisten" und "Nazis raus".
Glatzkopf rief "Sieg-Heil"
Ein weiterer Zwischenfall ist dem anderen politischen Lager zuzurechnen: Als der Demonstrationszug am Rückweg das äußere Burgtor passierte, meldete sich ein offensichtlich betrunkener Glatzkopf mit einem "Sieg Heil"-Ruf. Der Mann wurde von der Polizei angehalten.
Die "andere" Demo: 400 Burschenschafter marschierten mit Fackeln zum Schweizer Hof
Ruhiger ging es bei den 400 großteils mit Mütze und Band angetretenen Burschenschaftern zu. Der freiheitliche Volksanwalt Ewald Stadler wetterte gegen die "Moral der political correctness". Er kritisierte den "linken Mob", der zwar von Toleranz rede, "aber keinen Respekt vor unserer Überzeugung" habe. Nach einem Fackelzug vom Josefsplatz in den Schweizerhof in der Hofburg hielt der FP-Abg. Wolfgang Jung eine "Totenrede". Das Gedenken an die gefallenen Soldaten nannte er eine "sittliche Verpflichtung". Wörtlich fügte er hinzu: "Wir lassen uns das ehrende Gedenken an diese leidgeprüfte Generation nicht nehmen." Für die Verschärfung des Klimas machte er die "Linken und die Gutmenschen" verantwortlich, die überzeugt seien, "dass die Straße ihnen und nur ihnen gehört".
Nach 21.00 Uhr löste sich auch diese Veranstaltung auf. Die Sperrzone verließen die Burschenschafter unterirdisch: Von der Polizei wurden sie zu der während der Kundgebungen gesperrten U-Bahn-Station "Herrengasse" geleitet, in der die Züge dann wieder hielten.
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