Montag, 6. Mai 2002

10 Tage U-Haft für Verdächtigen verhängt

  • FORMAT: Schriftsteller macht Politik für Mord verantwortlich
  • Täter ist militanter Tierschützer! Polizei glaubt an Einzeltat

Wer trägt die Verantwortung für den Mord am Rechstpopulisten Pim Fortuyn? Der niederländische Schriftsteller Leon de Winter prangert in einem Interview, das im neuen FORMATerscheint, Medien und Politiker an. In der Zwischenzeit hat ein Haftrichter 10 Tage U-Haft für den mutmaßlichen Attentäter angeordnet. Der Sarg des Ermordeten sollte am Donnerstag in der Kathedrale von Rotterdam aufgebahrt werden, die Beerdigung ist für Freitag geplant. Die Polizei vermutet hinter dem Mordanschlag auf den Rechtspopulisten Pim Fortuyn einen Einzeltäter. Fortuyn war Montag Abend in Hilversum mit fünf Schüssen getötet worden.

Auch am Mittwoch legten die Menschen Blumen vor Fortuyns Haus und am Ort des Attentats, einem Parkplatz in Hilversum, nieder und trugen sich in Kondolenzlisten ein.

Dem Tatverdächtigen, der kurz nach den tödlichen Schüssen auf Fortuyn am Montag von der Polizei festgenommen worden war, wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft Mord vorgeworfen. Nach einem Bericht der niederländischen Tageszeitung "De Volkskrant" wird der 32-Jährige auch mit dem Mord an einem Vertreter der städtischen Umweltbehörde in Nunspeet östlich von Amsterdam in Zusammenhang gebracht. Der Mordfall werde in die aktuellen Ermittlungen einbezogen, sagte ein Polizeisprecher der niederländischen Nachrichrichtenagentur ANP.

Tatverdächtiger agierte gegen Lebensmittelindustrie und Tierversuche
Der Tatverdächtige hatte sich nach Angaben einer Umweltorganisation vor allem gegen die Lebensmittelindustrie und Tierversuche eingesetzt. Fortuyn hatte nach Angaben der Agentur ANP im Fall eines Wahlerfolgs ein im Jänner verabschiedetes Gesetz aufheben wollen, das die Zucht von Pelztieren verbietet. Auf seiner Internet-Site gab der mutmaßliche Täter an, seine Ziele nur mit legalen Mitteln zu verfolgen.

Fortuyn war am Montag auf einem Parkplatz in Hilversum erschossen worden. Der 54-jährige Soziologie-Professor hatte seinen Wahlkampf mit fremdenfeindlichen Parolen geführt. Jüngste Umfragen sahen seine erst vor wenigen Monaten gegründeten "Liste Pim Fortuyn" als zweit- oder drittstärkste Partei bei der Parlamentswahl am 15. Mai.

Polizei geht von Einzeltäter aus
Nach dem Mord an Fortuyn will die niederländische Polizei jetzt untersuchen, ob eine Verbindung zur bisher nicht aufgeklärten Ermordung eines Umweltschutzbeamten der Provinz Gelderland im Dezember 1996 besteht. Dies hat ein Sprecher der Polizei am Mittwoch in Apeldoorn (Provinz Gelderland) bestätigt. Der Beamte sei damals aus der Nähe erschossen worden.

Begräbnis Fortuyns am Freitag
Fortuyn wird am Freitag auf dem Friedhof Driehuis-Westerveld bei Ijmuiden im Familienmausoleum beigesetzt. Wie ein Sprecher der Partei Liste Pim Fortuyn am Mittwoch bestätigte, soll er später endgültig an dem italienischen Ort beerdigt werden, wo er seit einigen Jahren ein Haus hatte.

Es steht in Provesano di San Giorgio della Richinvelda in der Provinz Pordenone zwischen Venedig und Triest. Von Donnerstagnachmittag (14.00 Uhr) an soll der Leichnam in der katholischen Kathedrale in Rotterdam aufgebahrt werden. Dort wird am Freitag um 10.00 eine Totenmesse gehalten.

6.5.2002 18:38