Montag, 29. April 2002

Mallorca kassiert seit 1. Mai 2002 Touristensteuer

  • Abgabe wird "versüßt": Touristen merken wenig von "Steuer"
  • Pro Tag einen Betrag von 0,25 bis 2 Euro

Erbittert haben Politiker, Reiseveranstalter und Hoteliers auf Mallorca und den anderen Balearen um die Einführung einer Touristenabgabe gestritten. Seit 1. Mai 2002 wird die "ecotasa" (Ökosteuer) auf der spanischen Inselgruppe von den Urlaubern kassiert - pro Tag rund 2 Euro. Die Balearen-Regierung will die Steuer zur Bekämpfung von Umweltschäden und für die Verbesserung von Tourismus-Einrichtungen einsetzen. Erwartete Einnahmen: 70 Mill. Euro im Jahr.

Jeder Urlauber auf den Inseln Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera muss - je nach Kategorie der Unterkunft - pro Tag eine Steuer von 0,25 bis 2 Euro zahlen. In den allermeisten Hotels beträgt der Satz 1 Euro pro Nacht und Person. Kinder unter zwölf Jahren sind ausgenommen.

Nur wenige Touristen werden die Steuer merken
So steht es jedenfalls in dem Gesetz, das die rot-grüne Regierung der autonomen Region der Balearen in Palma de Mallorca erlassen hat. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Danach bekommt ein erheblicher Teil der Urlauber von der Steuer nichts zu spüren. Dazu zählen zunächst all die Touristen, die nicht in Hotels und ähnlichen Unterkünften untergebracht sind, sondern bei Freunden oder in privaten Appartements wohnen. Die Gäste von Pensionen und anderen Billig-Herbergen sind ebenfalls von der Zahlung befreit.

Viele Hotels kommen selbst für Steuer auf
Auch bei den "normalen" Hotels werden längst nicht alle Urlauber zur Kasse gebeten. In vielen Fällen verschonen die Hoteliers oder die Reiseveranstalter ihre Kunden und kommen selbst für die so genannte Mallorca-Steuer auf. Die Zeitung "Ultima Hora" bezifferte den Anteil dieser Herbergen auf bis zu 45 Prozent. Nach Angaben der großen Reiseunternehmen müssen nur in ganz wenigen Hotels die Urlauber die Abgabe in vollem Umfang aus eigener Tasche berappen.

Zuckerl für Touristen: Bons für Steuerverrechnung
Die große Mehrheit der Herbergen hat sich dazu entschlossen, die Abgabe zwar zu kassieren, den Touristen aber die Zahlung zu "versüßen". Danach erhalten die Urlauber für die Zahlung der "ecotasa" an der Hotelkasse Bons, die sie bei der Inanspruchnahme von Service-Leistungen ihrer Herberge verrechnen können. Das heißt: Was ein Urlauber für die Touristenabgabe zahlt, kann er sich bei den Kosten für die Nutzung des Hotel-Safes oder der Sauna wieder abziehen lassen. Oder er kann für das Geld, das er für die Steuer gezahlt hat, an der Hotelbar kostenlos Bier oder Limonade trinken. Die Wochenzeitung "Mallorca-Magazin" taufte die Abgabe bereits in "Limonadensteuer" um.

Wer sich die Steuer in der Form von Sauna-Besuchen oder Getränke vergüten lässt, kann jedoch nicht darauf hoffen, sein Geld zurückzubekommen, falls die Abgabe in ein paar Jahren für verfassungswidrig erklärt werden sollte. In diesen Fällen müssen die Urlauber ihre möglichen Erstattungsansprüche an die Hoteliers abtreten. (apa)

29.4.2002 10:55