Sonntag, 5. Mai 2002

Hewlett-Packard schließt Compaq-Computer-Kauf ab

  • Bisher größte Fusion in der Branche
  • Streichung von 15.000 Stellen geplant

Der amerikanische Computerriese Hewlett-Packard (HP) hat den Kauf der Compaq Computer für rund 18,7 Mrd. $ (20,4 Mrd Euro) nach achtmonatiger Schlacht endgültig vollzogen. Es handelt sich um die bisher größte Fusion der Computerbranche. Es entsteht ein Computergigant mit fast 90 Mrd. $ Jahresumsatz, 150.000 Mitarbeitern und einem Forschungsbudget von jährlich rund 4 Mrd. $. Das neue Unternehmen schließt fast zum weltgrößten Computerkonzern IBM auf.

Die neue HP führt bei Personal Computern vor Dell Computer und baut ihre Führung bei Druckern weiter aus. HP wird zum drittgrößten Anbieter von Computer-Dienstleistungen nach IBM und Electronic Data Systems. Die fusionierte Gesellschaft firmiert weiter als Hewlett-Packard mit Sitz in Palo Alto im US-Bundesstaat Kalifornien.

Der Zusammenschluss folgte langen und erbitterten Auseinandersetzungen mit dem Großaktionär Walter Hewlett sowie den HP-Gründerfamilien und einer nur ganz knappen Zustimmung durch die HP-Aktionäre. Hewlett versuchte den Zusammenschluss zuletzt noch vergeblich, durch ein Gerichtsverfahren zu torpedieren.

HP-Chefin Carly Fiorina will HP durch den Compaq-Kauf größer und schlagkräftiger machen und mit einer breiteren Produkt- und Dienstleistungspalette IBM und anderen Technologieriesen härtere Konkurrenz machen. Hewlett hatte sich gegen den Compaq-Kauf gewehrt, weil er darin eine zu starke Betonung des mit niedrigen Gewinnmargen operierenden Pc-Geschäfts sah. Er wollte stattdessen das HP-Druckergeschäft und andere lukrative Geschäftssparten im Alleingang des Unternehmens ausbauen.

Die Compaq-Übernahme erfolgte im Zuge eines Aktientauschs. Der Handel in Compaq-Aktien soll vor Handelsbeginn am Montag ausgesetzt werden. Die Compaq-Aktien stiegen am Freitag um 2,2 Prozent auf elf Dollar. Der HP-Kurs zog um zwei Prozent auf 17,44 Dollar an. Die fusionierte Gesellschaft wird unter dem neuen Aktiensymbol "HPQ" gehandelt. Die neue HP wird am Dienstag ihre Geschäfte aufnehmen, teilte das Unternehmen am Freitag nach Börsenschluss mit.

HP plant die Streichung von zehn Prozent der Gesamtbelegschaft oder von 15.000 Stellen, hatte das Unternehmen im Vorfeld der Übernahme zu verstehen gegeben. Die Kosten sollen jährlich um 2,5 Milliarden Dollar gesenkt werden. Fiovina hat jetzt die schwierige Aufgabe, die beiden Riesenunternehmen rasch und möglichst reibungslos zu integrieren.

5.5.2002 09:00