Springer will von Kirch halbe Mrd. Euro Schadenersatz
- Kein Rückenwind für KirchMedia

Dem angeschlagenene Kirch-Konzern droht nach Angaben der "Financial Times" eine Millionenklage des Axel Springer Verlags. Wie die Zeitung am Montag berichtete, will sich Springer-Chef Mathias Döpfner für die Klage auf 530 Mill. Euro Schadenersatz am Dienstag vom Aufsichtsrat grünes Licht holen. Dieser werde dem juristischen Vorgehen gegen die insolvente KirchMedia voraussichtlich zustimmen.
Springer wolle mit der Klage Kirch doch noch dazu bringen, für den Anteil des Verlagshauses an der der TV-Gruppe ProSiebenSat.1 insgesamt 767 Mill. Euro zu zahlen, berichtete die Zeitung. Das Verlagshaus, das 11,5 Prozent an dem Senderverbund hält, hatte Ende Januar erklärt, das Unternehmen übe eine mit Kirch vereinbarte Option auf Verkauf des Anteils bis Ende April aus.
Dies hatte den Druck auf die hoch verschuldete KirchMedia nochmals erhöht, die schließlich Insolvenz beantragen musste. Die nun von Springer geforderte Schadenersatzsumme entspricht der Zeitung zufolge dem geforderten Betrag von 767 Mill. Euro minus dem aktuellen Börsenwert der Beteiligung an ProSiebenSat.1 von rund 240 Mill. Euro.
Ein Springer-Sprecherin betonte, vor Ablauf der Frist könne sich das Unternehmen zur weiteren Vorgehensweise nicht äußern. "Wir haben immer betont, dass wir unserer Forderung im größtmöglichen Umfang durchsetzen wollen, um die Rechte der Gesellschafter zu wahren." Der "FT" zufolge könnte Springer die Klage auch als Druckmittel in den laufenden Verhandlungen über die Zukunft von KirchMedia einsetzen.
Aus Unternehmenskreisen war schon in der Vergangenheit betont worden, Springer habe grundsätzlich ein Interesse an einer Aufstockung der ProSiebenSat.1-Anteile. In Frage kommt demnach aber nur ein Anteil von mehr als 25 Prozent, womit Europas größte Pressegruppe eine Sperrminorität bei wichtigen Firmenentscheidungen hätte.
Die Verhandlungen mit mehreren Hollywood-Studios über das Schicksal des hohe Verluste schreibenden Bezahlsenders Premiere sollten der Zeitung zufolge am Montag fortgesetzt werden. Beteiligt seien auch der US-australische Medienunternehmen Rupert Murdoch und der deutsche Bertelsmann-Konzern. Eine Einigung sei aber nicht in Sicht, so dass Verhandlungskreise mit einem Insolvenzantrag von Premiere binnen zehn Tagen ausgingen.
Unterdessen trat mit dem britischen Investmentfonds Hicks, Muse, Tate and Furst ein weiterer Interessent an Teilen der Kirch-Gruppe ins Rampenlicht. Fonds-Gesellschafter Philippe von Stauffenberg habe in der vergangenen Woche in München Gespräche zur möglichen Übernahme von Anteilen an ProSiebenSat.1 geführt, berichtete die britische Zeitung "The Times".
Die börsennotierte TV-Gruppe mit den Sendern ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 wird zu 52 Prozent von der insolventen KirchMedia gehalten. "Wir bleiben in einem permanenten Dialog", sagte von Stauffenberg der Zeitung. Problem bei Kirch sei aber, dass sich die Lage jeden Tag ändere. Präzise Gespräche seien kaum möglich.

