Montag, 29. April 2002

Daewoo unter der Haube

  • GM zahlen für 43-prozentigen Anteil 400 Millionen Dollar
  • Bis zuletzt heftige Mitarbeiter-Proteste

Der US-Auto-Konzern General Motors (GM) übernimmt seinen angeschlagenen südkoreanischen Konkurrenten Daewoo Motor und baut damit seine Spitzenstellung auf dem Weltmarkt weiter aus. Laut einer Vereinbarung, die GM-Chef John Smith und Vertreter der Daewoo-Gläubigerbanken am Dienstag in Seoul unterzeichneten, hält der weltgrößte Autobauer GM künftig 42 Prozent an dem Unternehmen, die Daewoo-Gläubiger 33 Prozent und GM-Partner weitere 25 Prozent. Daewoo Motor hatte 1999 angesichts von Milliardenschulden Insolvenz anmelden müssen. Die Mitarbeiter des koreanischen Konzerns hatten sich bis zuletzt erbittert gegen die Übernahme gestemmt.

Mit dem Deal könne es gelingen, eine "neue Generation von Autos zu konkurrenzfähigen Preisen" zu produzieren, "die in der ganzen Welt vermarktet werden können", sagte GM-Präsident Smith. Der US-Autobauer übernimmt zwei der drei Daewoo-Werke in Südkorea und ein weiteres in Vietnam. Hinzu kommen die neun Regionalvertretungen in Europa, eine davon in Deutschland.

Bei seinem koreanischen Partner, der nun unter dem Namen Daewoo Motor and Technology firmiert, rechnet GM künftig mit einem Jahresumsatz von rund fünf Mrd. Dollar (gut 5,5 Mrd. Euro). Im vergangen Jahr hatte der Umsatz bei rund 3,5 Mrd. Dollar gelegen. Dabei setzt GM vor allem auf die Erschließung neuer Märkte wie zum Beispiel Mexiko.

Die Übernahmegespräche zogen sich mehr als zwei Jahre hin und gestalteten sich schwierig. GM und die Korea Development Bank (KDB) hatten bis zuletzt über die Modalitäten verhandelt. Zudem musste die Unterzeichnung am Dienstag wegen Protesten von Daewoo-Mitarbeitern zweimal verschoben worden. Mehr als 50 Beschäftigte der Vertriebssparte Daewoo Motor Sales, die nicht von GM übernommen wird, besetzten ein Hotel in Seoul, in dem der Vertrag unterzeichnet werden sollte. Die Unterzeichnungszeremonie wurde deshalb kurzfristig in die Zentrale der Korea Development Bank verlegt. Mit Daewoo Motor Sales will GM separat neue Verträge aushandeln.

Mit dem Deal kehrt GM erstmals seit zehn Jahren wieder auf den südkoreanischen Markt zurück. 1992 hatte der US-Autobauer Daewoo die Zusammenarbeit aus Protest gegen die Expansionspläne des koreanischen Partners im Ausland aufgekündigt.

Die österreichische Vertriebsgesellschaft Daewoo Motor Austria, die von dem Joint Venture übernommen wurde, rechnet zumindest kurzfristig nicht damit, in die österreichischen GM-Vertriebsstrukturen integriert zu werden. "Mit dem Einstieg von GM sei nun "endgültig klar, dass die Marke bestehen bleibt", erklärte Geschäftsführer Heung-Sup Han. Damit könne die bisherige Verunsicherung der Kunden über das Fortbestehen Daewoos beendet werden.

29.4.2002 06:54