Sonntag, 5. Mai 2002

Annan berichtet über Fortschritte mit dem Irak

  • Ziele: Irakische Abrüstung und Rückkehr der UN-Inspektoren

Bei der jüngsten Gesprächsrunde zwischen UNO-Generalsekretär Kofi Annan und dem irakischen Außenminister Naji Sabri sind Annan zufolge Fortschritte erzielt worden. Der Generalsekretär kündigte am Freitagabend in New York an, dass die Gespräche in Monatsfrist fortgesetzt würden.

Er hoffe, dass Bagdad nach den Ergebnissen dieses Treffens bereits "einige Beschlüsse fassen und die irakische Delegation mit guten Nachrichten zurückkommen wird".

Ziele: Irakische Abrüstung und Rückkehr der UN-InspektorenAnnan beschrieb die dreitägigen Unterredungen zwischen Experten der Vereinten Nationen und der Delegation von Sabri als "sehr nützlich und offen". Sie hätten die ranghöchsten Abrüstungsexperten beider Seiten erstmals seit 1998 wieder zusammengeführt und ihnen die Möglichkeit zum Meinungsaustausch gegeben. Kernpunkte waren laut Annan die irakische Abrüstung und die Rückkehr der UNO-Waffeninspektoren nach Bagdad.

"Wir sind auf jeden Fall weitergekommen, und jetzt kehren sie (die Iraker) zurück und berichten ihren Vorgesetzten darüber", sagte Annan. Wo das nächste Treffen stattfinden wird, ließ Annan offen. Ein Sprecher des irakischen Außenministeriums sagte in Bagdad, die geplante Fortsetzung der Gespräche könne "so interpretiert werden, dass schließlich doch ein Kompromiss gefunden werden kann".

Annans Angaben zufolge stellte die irakische Delegation viele Fragen, darunter zur künftigen Behandlung der Flugverbotszone und Washingtons Drohung, das Regime von Saddam Hussein in Bagdad stürzen zu wollen. Außerdem erkundigten sie sich danach, ob eine Wiederaufnahme der Waffeninspektionen ihnen tatsächlich Vorteile bringen würde. Der Weltsicherheitsrat knüpft die Aufhebung der vor über elf Jahren verhängten UNO-Sanktionen an das abschließende Urteil internationaler Waffeninspektoren zur Frage, ob Bagdad noch über Massenvernichtungswaffen oder die Kapazität zu ihrer Herstellung verfügt.

Inspektionen könnten binnen Jahresfrist abgeschlossen sein
Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed el Baradei, versicherte in New York, dass die Inspektionen "bei vollem Zugang im Irak in einem Jahr abgeschlossen sein können". Diese Einschätzung teile er mit dem obersten Waffeninspektor für den Irak, Hans Blix, sagte Baradei. Die Suche nach chemischen, biologischen und nuklearen Materialien solle zweifelsfrei sicher stellen, dass der Irak frei von entsprechenden Waffentypen ist.

Laut Annan hat sich Bagdad auch bereit erklärt, die Nationalen Archive seines Nachbarlandes Kuwait zurückzugeben. Außenminister Sabri habe ihm das bestätigt, sagte Annan, und die Vereinten Nationen um Unterstützung bei dem Rückgabeprozess gebeten. Der Irak war 1990 in Kuwait einmarschiert und hatte Menschen sowie Besitzgüter verschleppt.

5.5.2002 12:58