Donnerstag, 2. Mai 2002

Ehemaliger Vizepremier stellt sich Haager Tribunal

  • Will aber nicht gegen Milosevic aussagen
  • Auch Kommandant von Lager Omarska freiwillig nach Den Haag

Der frühere jugoslawische Vize-Ministerpräsident Nikola Sainovic (Bild) und der bosnische Serbe Momcilo Gruban haben sich Donnerstagfrüh auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol Vertretern des UNO-Kriegsverbrechertribunals gestellt. Beide sind nach Angaben ihrer Anwälte mit einem Linienflug von Belgrad nach Amsterdam geflogen.

Während Sainovic wegen Kriegsverbrechen im Kosovo angeklagt ist, wird Gruban als einer der Kommandanten im Internierungslager Omarska schwerer Verbrechen an inhaftierten Nichtserben beschuldigt.

Toma Fila, der Belgrader Anwalt von Sainovic, einem der bestinformierten Mitarbeiter des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic, schloss aus, dass sein Mandant den Ex-Präsidenten belasten könnte. ''Freiheit wird nicht durch Verrat erkauft'', präzisierte Fila. Er würde Sainovic in diesem Fall auch nicht verteidigen, meinte der Anwalt. Die Anklage, mit der Sainovic die Verantwortung für die Ermordung von mehreren Hunderten und die Vertreibung von rund 850.000 Kosovo-Albanern angelastet wird, bezieht sich auch auf Milosevic, Ex-Generalstabchef Dragoljub Ojdanic, den serbischen Präsidenten Milan Milutinovic sowie auf den früheren, inzwischen verstorbenen, serbischen Innenminister Vlajko Stojiljkovic.

Gegen Milosevic läuft bereits seit dem 12. Februar ein Prozess vor dem Haager Tribunal ein Prozess. In Belgrad wird darüber spekuliert, dass als Insider im Milosevic-Prozess auch der frühere Generalstabchef Ojdanic aussagen könnte. Ojdanic war Ende März und Anfang April zwei Mal mit dem US-Beauftragten für Kriegsverbrechen, Richard Prosper, in Belgrad zusammengekommen. Er hatte sich entschlossen, sich freiwillig dem Tribunal zu stellen. Ob er von amerikanischen Diplomaten irgendwelche Garantien bekommen hat, ist unbekannt.

2.5.2002 08:51