Mittwoch, 1. Mai 2002

NEWS: Showdown mit Aufmarsch am 8. Mai?

  • FORMAT: Zwei Drittel sind gegen Demo-Verbot
  • PLUS: Die Bilder der letzten Demo auf dem Heldenplatz!

Die Zores scheinen vorprogrammiert: Am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Nazi-Regime nach dessen Kapitulation, könnte es am Heldenplatz zu unrühmlichen Szenen kommen: Denn bei der Krypta am Äußeren Burgtor wollen schlagende Burschenschafter ab 21 Uhr ein "Totengedenken" abhalten. Noch ist allerdings unklar, ob Innenminister Strasser dies zulassen wird.

Veranstalter der geplanten Aktion: Der "Ring Volkstreuer Verbände" und der "Wiener Korporationsring". Hauptredner soll der FP-Abgeordnete Brigadier Wolfgang Jung sein, für den der 8. Mai "aus militärischer Sicht eine totale Niederlage" darstellt.

Stadler mit Rechtsextremist. Noch vor der "Heldenehrung" soll eine äußerst umstrittene Diskussionsveranstaltung mit dem viel sagenden Titel "Selbstachtung statt Selbsthass - Neuer Umgang mit der Zeitgeschichte" abgehalten werden. Diese wird als offensichtliches Kontrastprogramm zur Wehrmachtsausstellung auf einschlägigen bundesdeutschen Internetseiten beworben.

So stellt "Sturm 18" die Diskutanten wie folgt vor: Volksanwalt Ewald Stadler, seines Zeichens "Rechtsvertreter der Heimatvertriebenen", Josef Feldner, Obmann des Kärntner Heimatdienstes und "Initiator einer Unterschriftenaktion gegen Kollektivschuld und Sippenhaftung", und Claus Nordbruch, "Privatdozent". Nordbruchs Name - der "stern" bezeichnete ihn als "ausgewiesenen Rechtsextremisten" - findet sich übrigens gleich in zwei deutschen Verfassungsschutzberichten.

Druck auf Innenminister Strasser. Auf das Innenministerium kommt somit einiges zu: Vor allem Innenminister Ernst Strasser rückt immer mehr ins Zentrum der Auseinandersetzung. Wiens Bürgermeister Michael Häupl forderte Strasser auf, das Burschenschafter-Happening beim Heldenplatz zu untersagen. Und selbst Kanzler Schüssel soll seinem parteiinternen Rivalen schon erklärt haben, dass er am 8. Mai überhaupt keine Demonstrationen und schon gar keine Prügelorgien am Heldenplatz zu sehen wünsche.

Entscheidung bei Polizeipräsident Stiedl? Im Büro des Wiener Polizeipräsidenten Peter Stiedl ist man bemüht, keinen Kommentar abzugeben: Wer wann und wo demonstrieren dürfe, werde erst am 7. Mai um 10 Uhr im Rahmen einer eigenen Pressekonferenz bekannt gegeben. "Vorher hat das auch gar keinen Sinn", erklärt Stiedl-Pressesprecher Walter Ladig. "Denn nach dem Versammlungsgesetz können Demonstrationen bis 24 Stunden vor Demonstrationsbeginn angemeldet, aber auch zurückgezogen werden."

Mehr zu diesem Thema finden Sie im neuen NEWS!

1.5.2002 22:42