Brite wegen "Lakeball Diving" verurteilt
- Englische Presse kann es nicht fassen

Zehn Jahre lang ging Mark Collinson (36) seiner Arbeit nach und war froh, dass er dem britischen Staat nicht als Sozialhilfeempfänger zur Last fiel und immer seine Steuern pünktlich bezahlte. Nun hat ihn ein Richter in Leicester zu sechs Monaten Haft verurteilt - wegen Diebstahls. Denn Collinsons Broterwerb bestand darin, mit einem Tauchanzug die Golfbälle aus jenen Teichen und Tümpeln zu holen, in die sie vorher versehentlich von den Spielern geschlagen wurden.
"Das ist ein Witz, aber es passiert", schrieb Collinson aus dem Gefängnis an seine Frau Annette und die Kinder Gemma (11) und Shaun (16). Schon formiert sich eine Bürgerinitiative, die die Freilassung Collinsons fordert. Und bei der Firma "UK Lakeballs", die Collinson die Gebraucht-Bälle abkaufte und sie dann wieder an Golfer verkaufte, gehen die Hilfsangebote ein: "Wir kriegen schon Anrufe von richtigen Profis", berichtet Firmenchef Gavin Dunnett stolz.
"Ich kann es gar nicht fassen", sagt Sheila Collinson, Mutter des Verurteilten. Und den britischen Zeitungen geht es nicht viel anders. Gerade eben haben sie darüber berichtet, dass die Mörder des zehn Jahre alten Damilola Taylor wegen schwerer Ermittlungsfehler vermutlich nie ins Gefängnis kommen. Der Bub aus Nigeria war in einem heruntergekommenen Londoner Sozialwohnungsblock von anderen Jugendlichen mit einer abgebrochenen Flasche umgebracht worden. Aber die Beschuldigten wurden zum Entsetzen der Medien freigesprochen - nach einem Prozess, in dem ein Alibi eine Schlüsselrolle spielte, das sich erst am Tag nach dem Freispruch als höchst löchrig erwies.
Collinson war der Ansicht - es sei legal
Mark Collinson wurde fast gleichzeitig eingesperrt. Er hatte lange keine Arbeit gefunden. Irgendwann hörte er davon, dass Golfspieler dankbar seien, wenn sie die ins Wasser verschlagenen Bälle später wieder billig kaufen können. So ging Collinson zehn Jahre lang zur Arbeit, den Neopren-Anzug und ein Netz im Gepäck. "Er war immer der Ansicht, dass das völlig legal ist", berichtet Collinsons Frau. "Und er arbeitete immer nur nachts, um die Golfer nicht zu stören. Er hat auch immer die Golfclubs vorher um Erlaubnis gefragt, aber die meisten haben gar nicht geantwortet."
"Hunderte" von Männern tauchen jede Nacht in die Seen auf den Golfplätzen ab, ermittelte der "The Daily Telegraph". Rund um die Welt sei das Tauchen nach Bällen, das "Lakeball Diving", das gängigste Verfahren, um diese Bälle wieder auf den Markt zu bringen. Große Firmen wie die UK Lakeballs leben gut davon, die Bälle zu reinigen, zu sortieren und als "Lakeballs" auf den Markt zu bringen: Statt zwei Pfund (3,20 Euro) muss der britische Golfer dann nur noch 30 Pence (50 Cent) für den Ball aus dem Wasser bezahlen. Collinson bekam pro Ball 16 Pence (26 Cent). Pro Woche holte er 4.000 Bälle aus den Untiefen der Golfplätze, verdiente also 640 Pfund (1.044 Euro).
Gericht entschied: Bälle Eigentum des Clubs
Als er festgenommen wurde, weil auf dem Golfplatz Whetstone bei Leicester eine Alarmanlage schrillte und automatisch die Polizei rief, hatte er 1.158 Bälle eingesammelt. Das Gericht in Leicester entschied, auch diese Bälle aus Tümpeln seien noch Eigentum - entweder des Spielers oder des Clubs. Der Royal and Ancient Golf Club in St. Andrews, der sich des ältesten Golfplatzes der Welt rühmt und als allererste Golf-Instanz gilt, ließ wissen, zumindest in den Regeln stehe nichts über das Eigentum an Bällen, die in ein Wasserhindernis geschlagen werden.
Collinsons Frau hat jetzt Arbeit als Zimmermädchen in einem Hotel angenommen: "Ich will keine Unterstützung, und Mark wollte das auch nie." Aus dem Gefängnis hat er ihr aufgetragen, auch auf jeden Fall die Steuererklärung pünktlich abzugeben und darauf zu achten, dass Tochter Gemma zum Schwimmtraining geht. "Ich werde natürlich nicht mehr tauchen" verspricht Collinson im Brief aus der Haft. "Ich weiß, dass das ein Albtraum ist. Ich muss halt andere Arbeit finden."
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