Dienstag, 23. April 2002

ÖAMTC-Test: Österreichs Tunnel sind unsicher

  • Loibltunnel ist "schwarzes Loch im Berg"
  • Ein Viertel der gestesten Röhren fiel durch

Trotz verheerender Unfälle sind viele Straßentunnel in Europa noch immer nicht sicher genug. Dies ist das Ergebnis eines Tunneltests des ÖAMTC. Von 30 geprüften Röhren fiel mehr als ein Viertel durch. Österreichs Tunnel kamen insgesamt schlecht weg: Der Loibltunnel zwischen Österreich und Slowenien wird beispielsweise als "schwarzes Loch im Berg" bezeichnet.

"Trotz erster positiver Ansätze gibt es noch viele Sicherheitsmängel", erklärte der Testleiter des Clubs, Willy Matzke. Die Bestnote "sehr gut" konnte drei Mal vergeben werden. "Gut" gab es sechs Mal, 13 Tunnel erreichten "ausreichend".

Überprüft wurden u. a. das Tunnelsystem, Verkehrsüberwachung, Fluchtmöglichkeiten und Brandschutzeinrichtungen. Beurteilungskriterien sind durchgehende Seitenstreifen, Pannenbuchten, ein durchgehender Gehweg, Umkehrmöglichkeiten sowie Notrufnischen. Auch die Wahrscheinlichkeit eines Zwischenfalls und dessen Folgen wurden eingeschätzt. Bereits 100 Tunnel in Europa haben die Experten von 14 europäische Automobilclubs bereits untersucht.

"Cointe" ist der Testsieger
Testsieger wurden punktgleich der "Cointe", der im Jahr 2000 eröffnete Stadttunnel im belgischen Lüttich und der Montblanc-Straßentunnel zwischen Italien und Frankreich, der um mehr als 300 Millionen Euro saniert worden war. Der zweite getestete Unglückstunnel, der Gotthard in der Schweiz, erhielt "ausreichend". Nach Abschluss der laufenden Bauarbeiten und Tests sei aber die Note "gut" möglich, hieß es.

Loibltunnel ist "schwarzes Loch im Berg"
In Österreich erreichte der mit einem Fluchtstollen ausgestatteten Bosrucktunnel auf der Pyhrnautobahn (A9) ein "gut". "Ausreichend" erhielten der Katschbergtunnel auf der Tauernautobahn (A10) und Lainbergtunnel auf der A9. Verlierer war der Loibltunnel. Den einröhrigen Tunnel mit Gegenverkehr aus dem Jahr 1966 zwischen Österreich und Slowenien bezeichneten die Experten als ein "schwarzes Loch im Berg".

Lange Liste der Kritikpunkte
Acht Tunnel, darunter Katschberg- und Loibltunnel, haben keine zusätzlichen Flucht- und Rettungswege. Die Abstände zwischen den Notausgängen war zu groß, Notausgänge waren nicht oder schlecht gekennzeichnet. Sechs Tunnel haben keine automatische Branderkennung und Wasserhydranten. Fünf Tunnel-Feuerwehren haben noch nie geübt oder trainieren nur in großen Zeitabständen. Bei elf Tunnel wurden die Lüftungssysteme noch nie durch Brand- oder Rauchversuche überprüft. Der Loibltunnel hat gar keine Lüftung.

Weiters bemängelten die Tester fehlende Videoüberwachungen, Pannenbuchten und Standstreifen sowie nicht vorhandene Regelungen für Gefahrguttransporte. Einige der Bauwerke besitzen nicht einmal Lautsprecher. Ein Drittel der Kandidaten hat nur eine Röhre.

Italien verweigerte Tests
"Insgesamt am problematischsten in Europa scheint die Lage in Italien zu sein, wo die meisten Autotouristen aus ganz Europa hinfahren", klagte Matzke. Wieder war die Testerlaubnis verweigert worden. Die EU-Kommission habe angekündigt, Richtlinien für einheitliche Sicherheitsstandards noch heuer zu erlassen.

23.4.2002 09:50