Kein Ansturm auf argentinische Banken
- Peso nach einwöchiger Handelspause schwächerBank
- Keine Bindung des Peso an den Dollar

Der befürchtete Sturm auf Argentiniens Banken ist am Montag ausgeblieben, als die Schalter nach mehrtägiger Zwangspause erstmals wieder öffneten. Kunden erhielten aber nur kleine Beträge für den täglichen Bedarf. Der Zugang zum Großteil der Einlagen bleibt nach wie vor versperrt. Der Peso festigte sich indessen leicht zum Dollar.
Am 19. April hatte die Notenbank die Schließung der Banken und die Einstelllung des Devisenhandels verfügt, um das Bankensystem angesichts eines Ansturms der Kunden auf ihre Einlagen vor einem Zusammenbruch zu bewahren. "Ich würde gern all mein Geld rausholen, aber die Einlagen sind tiefer als je zuvor eingefroren", sagte Mario, ein Computertechniker. Wie zahlreiche seiner Landsleute konnte er so viel Bargeld abheben, dass es gerade für Rechnungen und Einkäufe reicht.
Seit mehr als vier Jahren steckt die hoch verschuldete drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas in einer tiefen Rezession. Angesichts des drohenden Staatsbankrotts hatte die damalige Regierung erstmals im Dezember die monatlichen Barabhebungen begrenzt und die Konten weitgehend eingefroren. Um ihre gesperrten Gelder endgültig loszueisen, müssen Anleger nun auf eine abschließende Entscheidung des Obersten Gerichtshofes über die Rechtmäßigkeit der Sperrungen warten. Das sieht ein Gesetz zur Sicherung der Bargeldbestände vor, das der Kongress am vergangenen Donnerstag zum Schutz der Banken billigte. Frustrierte Anleger sehen den freien Zugang zu ihrem Geld mit dieser Regelung in immer weitere Ferne rücken.
In den vergangenen Monaten hatten viele Bürger ihre Guthaben abgehoben, nachdem mehrere Gerichte die im Dezember von der Regierung angeordnete Kontensperrung für rechtswidrig erklärt hatten. Der rapide Geldabfluss hatte die Kreditinstitute an den Rand des Ruins gebracht. Nach Angaben von Rating-Agenturen sind Argentiniens Banken de facto insolvent. Nur die Einlagensperre verhindere derzeit einen endgültigen Zusammenbruch. Die Liquidität des Banco Rio ist nach Angaben ihrer spanischen Mutter Santander Central Hispano nur noch für rund drei Monate gesichert. Einige ausländische Banken, deren Verluste insgesamt in die Milliarden Dollar gehen, weigern sich, ihren argentinischen Niederlassungen Geld zuzuschießen.
Die Regierung versicherte, das neue Einlagengesetz stütze die Banken. "Wir waren auf dem Weg zu einem unvermeidlichen Bankrott des Finanzsystems. Dies ist eine sehr wichtige Änderung", sagte der Stabschef im Präsidialamt, Anibal Fernandez. Einige Argentinier warnten indessen vor neuen Ausschreitungen als Reaktion auf die Einlagenpolitik. "Es ist verfassungswidrig und erzeugt in der Gesellschaft ein Gefühl, dass es keine Gerechtigkeit gibt", sagte der Stahlarbeiter Tomas Cetrangolo. "Die Banken sollten die Realität anerkennen und sich nicht hinter der Regierung verstecken."
Die argentinische Landeswährung Peso zog indessen nach der einwöchigen Handelspause bei geringen Umsätzen zum Dollar etwas an. Im späten Handel notierte der Dollar mit 2,93/95 Peso nach 3,18/3,21 Peso am 19. April. Der erst am Samstag vereidigte neue Wirtschaftsminister Roberto Lavagna will nach Angaben aus Kreisen den Peso weiter frei am Devisenmarkt handeln lassen. Präsident Duhalde hatte hingegen früheren Angaben zufolge mit dem Gedanken gespielt, den Wechselkurs des Peso wieder an den Dollar zu binden. Devisenhändler begründeten die Kursgewinne des Peso mit geringen Umsätzen. Der Peso war entsprechend der Forderungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor vier Monaten vom Dollar abgekoppelt worden. Seither verlor die Währung 70 Prozent ihres Werts.
Argentinien hofft nach Angaben aus Regierungskreisen auf eine Überbrückungsfinanzierung für im Mai fällige Zins- und Tilgungszahlungen auf multilaterale Schulden. "Die Verhandlungen darüber werden in dieser Woche beginnen", hieß es aus den Kreisen am Montag in Buenos Aires. Ob die Finanzierung vom Pariser Club der Gläubigerländer komme, wollten die Kreise weder bestätigen noch dementieren. Argentinien müsste seinen multilateralen Kreditgebern im Mai 554 Millionen Dollar zahlen. Bereits im Dezember hatte das Land, das seit mehr als vier Jahren in einer tiefen Rezession steckt, seine Zins- und Tilgungsleistungen auf einen Teil seiner Gesamtverbindlichkeiten von rund 140 Milliarden Dollar nicht mehr aufbringen können. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte darauf hin die Auszahlung weiterer Kredittranchen ausgesetzt. Derzeit verhandelt der Fonds mit der argentinischen Regierung über umfassende Wirtschafts- und Finanzreformen als Voraussetzung für die Vereinbarung eines neuen Kreditprogramms.

