Donnerstag, 25. April 2002

Siemens kündigt trotz Gewinnsteigerung Stellenabbau an

  • Gewinn stieg auf 1,3 Mrd. Euro
  • Weitere Restrukturierung möglich

Nach einem überraschend hohen Gewinn im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2001/02 will der Siemens-Konzern seinen Umbau mit einem weiteren massiven Stellenabbau fortsetzen. Im Problembereich Netzwerke (ICN) werden nochmals 6.500 Arbeitsplätze gestrichen, kündigte Konzern-Chef Heinrich von Pierer am Donnerstag in Erfurt an. Der Großteil der Stellen wird im Ausland abgebaut.

Die übrigen Bereiche konnten sich in der Konjunkturflaute besser halten als von den meisten Analysten erwartet.

Der Siemens-Gewinn stieg im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2001/02 (30. September) auf rund 1,3 Mrd. Euro verglichen mit 578 Mill. Euro im Vorjahr. Im Gesamtjahr wolle der Konzern auch den operativen Gewinn deutlich steigern, kündigte Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger erstmals an. Bisher hatte Siemens lediglich eine deutliche Steigerung des Jahresüberschusses wegen des Wegfalls von Sonderbelastungen angekündigt.

"Das konjunkturelle Umfeld ist aber unklar", sagte von Pierer. Sollten die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, will der Konzern die Restrukturierung ausweiten. In diesem und im vergangenen Geschäftsjahr hat der Konzern den Abbau von über 25.000 Stellen angekündigt. Im Geschäftsjahr 2000/01 war der Siemens-Gewinn wegen der Hightech-Krise und zahlreicher Sonderfaktoren von 8,9 auf 2,1 Mrd. Euro eingebrochen.

Der Verkauf von Infineon-Anteilen steuerte im zweiten Quartal per Saldo 561 Mill. Euro zum Gewinn bei. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) stagnierte bei 919 Millionen Euro. Beim operativen Gewinn hatten die meisten Analysten mit einem deutlichen Rückgang gerechnet. Der Umsatz wuchs im zweiten Quartal um drei Prozent auf 21,3 Mrd. Euro. In den ersten sechs Monaten stieg er um ebenfalls drei Prozent auf 42,2 Mrd. Euro.

Düster sieht es weiter bei ICN aus. Vor allem die Kunden unter den Netzwerkbetreibern stecken vielfach in Schwierigkeiten. "Viele, auch renommierte Unternehmen auf dem Weltmarkt kämpfen nicht mehr mit Margen und um Kunden, sie kämpfen um ihr nacktes Überleben", sagte Pierer. Er rechne hier in den nächsten 12 bis 18 Monaten auch mit keiner spürbaren Besserung. Die Siemens-Netzwerksparte fuhr im zweiten Quartal einen operativen Verlust von 158 Mill. Euro ein. Im ersten Quartal lag das Minus bei 124 Mill. Euro.

Dort sollen nun insgesamt 16.500 Stellen wegfallen. Anfang des Geschäftsjahres 2000/2001 waren bei ICN noch 53.000 Menschen beschäftigt. Weltweit beschäftigt Siemens 443.000 Menschen, davon 180.000 in Deutschland.

Bei Mobiltelefonen spürt Siemens eine gestiegene Nachfrage. Im zweiten Quartal verkaufte die Mobilfunksparte ICM 8,3 Millionen Handys nach 6,9 Millionen im Vorjahreszeitraum.

25.4.2002 13:17