EU-Frühjahrsprognose: Eurozone wächst 2002 um 1,4%
- Österreich 2002 mit minimalem Defizit & geringster Infaltion
- Wirtschaft in Kandidatenländer wächst schneller
Die Wirtschaft der Eurozone wächst heuer um 1,4 Prozent und 2003 um 2,9 Prozent, sagt die EU-Kommission in ihrer Frühjahrsprognose voraus, die am Mittwoch in Brüssel veröffentlicht wurde. Die Inflationsrate soll heuer bei 2,2 Prozent und 2003 bei 2,0 Prozent liegen. Die Wachstumsaussicht hat sich damit im Vergleich zur Herbstprognose vom November 2001 (Plus 1,3 Prozent) kaum verändert, während die Inflationserwartung von damals 1,8 Prozent spürbar nach oben revidiert wurde.
Im vierten Quartal 2002 werde es im Vergleich zum Vorjahresquartal zu einem Plus von 2,6 Prozent kommen, das zeige die Dynamik der Entwicklung, so der zuständige EU-Kommissar Pedro Solbes vor der Presse. 2003 soll die Wirtschaft der Eurozone um 2,9 Prozent zulegen. Das Risiko eines Austrittes Frankreichs aus der EU, wie vom Präsidentschaftskandidaten Jean-Marie le Pen für seine Wahl angekündigt, sei in der Prognose nicht berücksichtigt, so Solbes auf eine Frage zum Wahlausgang in Frankreich.
Während das Wachstum bald wieder dem Potenzial der Eurozone entsprechen wird, liegt die Inflation mit 2,2 Prozent im Jahresschnitt höher als noch im Herbst erwartet, räumte Solbes ein. Das geringe Wachstum führt heuer auch zu einem nur geringfügigen Anstieg der Beschäftigung, in vier EU-Ländern, darunter Österreich, geht die Beschäftigung sogar zurück. Die Arbeitslosenrate werde aber nur vorübergehend steigen, erwartet die EU-Kommission.
Die Defizite werden zwar 2002 im Vergleich zu 2001 leicht steigen, strukturell gebe es aber Verbesserungen, sagte Solbes. Auch Deutschland werde den Grenzwert von drei Prozent beim Defizit heuer nicht übersteigen, auch wenn mit 2,8 Prozent die höchste Neuverschuldung - und das geringste Wachstum - unter allen EU-Ländern zu erwarten sei. Neben Deutschland sind auch Frankreich, Italien und Portugal noch weit von einem "nahezu ausgeglichenen" Defizit entfernt. Nahezu ausgeglichen könne ein Defizit unter 0,5 Prozent des BIP sein, so Solbes, dabei seien aber auch qualitative Kriterien ausschlaggebend.
Österreichs Wirtschaft wird heuer laut Prognose mit 1,2 Prozent weniger wachsen als die Eurozone insgesamt. Die Beschäftigung wird zurückgehen, die Arbeitslosigkeit von 3,6 Prozent auf 4,0 Prozent steigen, was aber weiter der drittniedrigsten Wert in der Union ist. Österreich wird auch in der Eurozone die niedrigste Inflation aufweisen. Im Haushaltsvollzug erwartet die EU-Kommission ein minimales Defizit von 0,1 Prozent und einen Überschuss von 0,3 Prozent 2003.
Wirtschaft in Kandidatenländer wächst schneller
Die Kandidatenländer können 2002 mit einem deutlich höheren Wachstum rechnen als die EU-Länder, im Schnitt sind es 2,9 Prozent. Zugleich erwartet die meisten Kandidatenländer ein im EU-Vergleich hohes Defizit und eine hohe Inflation. Die Arbeitslosigkeit steigt auf Grund von Produktivitätszuwächsen noch, auf über 13 Prozent.
EU-Kommission: Österreich muß Pensionssystem reformieren
Zugleich mit der Prognose hat die EU-Kommission auch ihre wirtschaftspolitischen Empfehlungen veröffentlicht. Österreich muss vor allem das Pensionssystem weiter reformieren, um den Haushalt langfristig abzusichern. Beim Defizitabbau sei zwar 2001 ein eindrucksvoller Erfolg erzielt worden, aber um den Preis eines Rekordniveaus bei den Abgaben. Österreich müsse auch mehr Geld für Forschung und Entwicklung aufwenden, empfiehlt die EU-Kommission.

