Phenomedia: "Moorhuhn-Aktie" im Sturzflug
- Computerspiele-Hersteller in Schwierigkeiten
- Staatsanwalt ermittelt: Verdacht auf Bilanzmanipulationen

Das Moorhuhn hat die Bochumer Software-Schmiede Phenomedia berühmt gemacht. Jetzt droht den Spielerfindern das gleiche Schicksal wie dem glubschäugigen Kultvogel: Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bochum hat das Unternehmens ins Visier genommen und ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bilanzfälschung gegen zwei frühere Manager eingeleitet. Und die Börse hat das Unternehmen zum Abschuss freigegeben.
Die Phenomedia-Aktie verlor in den letzten Monaten mehr als 90 Prozent ihres Werts. Vor einer Woche trennte sich Phenomedia deshalb in einer Blitzaktion von seinen beiden wichtigsten Managern: dem Vorstandsvorsitzenden und Mitbegründer Markus Scheer und von Finanzvorstand Björn Denhard. Der Aufsichtsrat beauftragte außerdem eine Düsseldorfer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit einer Sonderprüfung der Bilanzen.
Mit einem Schlag war Deutschlands bekanntestem Hersteller von Spiele-Software der Boden unter den Füßen weggezogen worden. Selbst der Aufsichtsrat des Unternehmen zeigte sich unsicher über die Zukunftsperspektiven der Spieleschmiede. Das Handelsblatt zitierte den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden von Phenomedia, Klaus Steilmann mit der Bemerkung: "Wir haben die leise Hoffnung dass noch der Prüfung noch Geld übrig sein wird, um die Firma weiterzuführen". Doch wie die Situation wirklich aussehe, wisse man nicht.
Da war es schon eine Erleichterung, dass das Unternehmen nach internen Überprüfungen zum Wochenbeginn mitteilten konnte, es sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überschuldet". Zu deutsch: Der Gang zum Insolvenzgericht bleibt Phenomedia - zumindest vorläufig - erspart. Firmensprecher Ulf Hausmanns betonte denn auch: das Unternehmen führe sein operatives Geschäft konsequent weiter. Die Fans können also erst einmal auf neue Moorhuhnversionen hoffen.
Hoffnungen setzt das Unternehmen aber nicht nur auf den Vogel, der zum Markenzeichen wurde, sondern auch auf den Moorhuhn-Nachfolger "Sven Bomwollen", einen liebeshungrigen Schafbock, der nur "das Eine" im Kopf hat. Denn Sven stürmte nach Firmenangaben bereits kurz nach der Veröffentlichung in einer Extraversion die Verkaufshitparaden.
Außerdem sicherte sich das Unternehmen nach eigenen Angaben weitgehende digitale Verwertungsrechte an den erfolgreichsten deutschen Rennfahrern Michael und Ralf Schumacher. Noch für die erste Jahreshälfte hat das Unternehmen das erste Spiel "Michael Schumacher Kart Racing" angekündigt.

