Montag, 22. April 2002

Deutsche Telekom: Erstmals seit Börsegang rote Bilanz

  • Verlust von 3,5 Mrd. Euro, Dividende wird gekürzt
  • Für 2002 wird Umsatzwachstum von 10 Prozent erwartet

Erstmals seit dem Börsengang 1996 ist das größte europäische Telekommunikationsunternehmen tief in die roten Zahlen gerutscht: Nach ersten vorläufigen Ergebnissen liegt der Fehlbetrag bei 3,5 Mrd. Euro. Anders als 2000 reichten im vergangenen Jahr die Sondererträge aus Verkäufen von Beteiligungen nicht mehr aus, um den Absturz in die Verlustzone zu verhindern.

Für das Gesamtjahr 2002 erwartet die Deutsche Telekom nach Worten ihres Chefs Ron Sommers ein Umsatzwachstum von etwa zehn Prozent. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) dürfte nach der Prognose zunächst prozentual einstellig, im zweiten Halbjahr aber zweistellig wachsen. Bis 2004 erwartet die Deutsche Telekom ein durchschnittlich zweistelliges prozentuales Wachstum bei Umsatz und EBITDA.

Für 2001 musste die Deutsche Telekom trotz eines Umsatzwachstums von 18 Prozent auf 48,3 Mrd. Euro erstmals seit der Gründung als Aktiengesellschaft im Jahr 1995 einen Verlust ausweisen. Nach den bereits im März veröffentlichten Zahlen lag der Verlust nach Steuern bei 3,5 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis (EBITDA) stieg allerdings um 17 Prozent auf 15,1 Mrd. Euro. Sommer betonte, mit der Steigerung bei Umsatz und bereinigtem EBITDA seien die selbst gesteckten Ziele erfüllt.

Nach dem Scheitern des Verkaufs der noch verbliebenen Fernsehkabelnetze an den US-Konzern Liberty Media wegen des Verbots des Kartellamtes will die Telekom ihre Schulden durch ein neues Maßnahmenpaket abbauen. Rund eine Milliarde soll die Kürzung der Dividende um rund 40 Prozent auf 37 Cent je Aktie bringen.

Ferner kündigte Sommer deutliche Kürzungen bei Investitionen in Sachanlagen von rund einer Milliarde Euro an. Auch werde der Verkauf nicht betriebsnotwendiger Vermögensgegenstände wie Immobilien forciert.

Im ersten Quartal stiegen die Nettofinanzverbindlichkeiten allerdings vorerst weiter auf 67,2 Mrd. Euro. Damit erhöhten sich die Schulden gegenüber Ende 2001 um 5,1 Mrd. Euro. Zur Begründung wurden die Kosten für den Kauf des Restanteils am debis Systemhaus genannt.

Zur erwarteten Verbesserung des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) 2002 würden bei T-Mobile Geschäftsausweitung und Optimierung der Kostenstrukturen beitragen. Auch der positive Ebitda-Beitrag von VoiceStream soll sich nach Sommers Worten im Jahresverlauf noch verstärken.

Konjunkturell rechnet der Konzern damit, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland besonders in der zweiten Jahreshälfte wieder an Fahrt gewinnt. Für den deutschen Telekommunikationsmarkt erwartet das Unternehmen ein konstantes Wachstum von mindestens fünf Prozent. Dabei gehe man besonders von Wachstumsimpulsen bei Mobilfunk und Onlinediensten aus.

22.4.2002 14:26