Montag, 22. April 2002

Telekom-Verkauf bei Bedarf erst nach Oktober 2003

  • Privatisierung vielleicht erst in der nächsten Legislaturperiode
  • Keine Verhandlungen mit Vodafone

Die Privatisierung der Telekom Austria (TA) könnte sich weiter verzögern. ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis schließt nicht aus, dass die Staatsholding ihren 47,8-Prozent-Paket erst in der nächsten Legislaturperiode verkauft. Beim Verkauf strebt die ÖIAG weiterhin einen Wert über dem seinerzeitigen Emissionskurs von 9 Euro an.

"Wenn sich keine Möglichkeit ergeben sollte, werde ich nicht davor zurückscheuen, beim Eigentümer zu beantragen, die Privatisierung der Telekom Austria in die nächste Legislaturperiode zu verlegen", sagte Michaelis am Montag im Gespräch mit der APA.

Für rasche Änderungen plädiert der ÖIAG-Chef hingegen beim Syndikatsvertrag mit der Telecom Italia (TI). Die TI hält derzeit noch 29,8 Prozent an der TA sowie weitere 25 Prozent plus eine Aktie an der Mobilkom und besitzt über einen bis Ende 2003 geltenden Syndikatsvertrag weitgehende Mitspracherechte. Bereits im November 2001 hat die TI die Absicht zum Rückzug aus Österreich verkündet.

Michaelis sieht darin nun eine Diskrepanz: "Wenn ein Partner nach außen signalisiert, dass er in Österreich keine strategischen Überlegungen mehr hegt, sollte man dem weiterhin strategisch Interessierten (Anm.: ÖIAG) alle notwendigen Handlungsmöglichkeiten einräumen", so Michaelis. Dem Vernehmen nach strebt die ÖIAG derzeit den Rückkauf der TI-Anteile an der Mobilkom durch die TA und gleichzeitig eine wesentliche Entschärfung des Syndikatsvertrags an. Laut informierten Kreisen soll die Telekom Austria rund 750 Mio. Euro für die TI-Anteile an der Mobilkom zahlen. Dafür würde zumindest das absolute Vetorecht der Italiener bei größeren Finanzinvestitionen oder Beteiligungen der Telekom Austria gestrichen, so die Kreise. Michaelis wollte diese Verknüpfung nicht kommentieren.

Keine Verhandlungen mit Vodafone
Laut den Kreisen soll der Rückkauf der TI-Anteile an der Mobilkom noch vor dem 1. Mai 2002 erfolgen. Auch dazu wollte Michaelis unter Berufung auf die Börsennotiz von TA und TI keine Stellung nehmen. Ergebnisse würden erst nach Abschluss der Verhandlungen nach außen kommuniziert. Kolportierte Verhandlungen mit der britischen Vodafone über einen Einstieg bei der Mobilkom dementiert der ÖIAG-Vorstand aber: Weder sei Vodafone an ihn herangetreten noch führe er mit Vodafone Gespräche, betonte Michaelis.

Für die weitere Privatisierung der Telekom Austria werden laut Michaelis vorerst alle denkbaren strategischen Varianten geprüft. Sowohl ein Einstieg interessierter Banken oder strategischer Investoren, als auch ein Secondary Offering an der Börse. Insgesamt bewertet Michaelis die jüngste Entwicklung der Telekom Austria positiv. Nachdem die Telecom Italia im November erklärte hatte, an einem strategischen Engagement nicht mehr interessiert zu sein, habe sich im Aktienkurs ein spekulatives Element niedergeschlagen.

In der Zwischenzeit sei die Restrukturierung aber vorangetrieben worden, die vorgelegten Zahlen hätten die Erwartungen der Analysten übertroffen. "Derzeit findet im Aktienkurs ein Substitutionsprozess statt, bei dem die Finanzdaten das spekulative Element substitutieren", meint Michaelis.

22.4.2002 13:08