Weg für Streik in der deutschen Metall-Industrie ist frei
- "Die Zeichen stehen auf Arbeitskampf"

Der Weg für den ersten Streik in der deutschen Metallindustrie seit sieben Jahren ist frei. Bei der Urabstimmung der Metall- und Elektroindustrie von Berlin und Brandenburg stimmten nach Angaben der IG Metall mehr als 85 Prozent der aufgerufenen Gewerkschafter für einen Arbeitskampf. Erforderlich waren 75 Prozent.
In Baden-Württemberg - mit 800.000 Beschäftigten der größte Tarifbezirk - war die Urabstimmung am späten Dienstagnachmittag abgeschlossen. Das Ergebnis sollte gegen 21.00 Uhr verkündet werden.
Der IG Metall-Bezirksleiter von Berlin/Brandenburg, Hasso Düvel, sprach von einem "deutlichen Signal" aus den Reihen der Mitglieder: "Die Zeichen stehen auf Arbeitskampf". Die Arbeitgeber warfen der IG Metall Verantwortungslosigkeit vor. Der Streik könnte am 6. Mai beginnen. Der Bundesvorstand wird voraussichtlich am Donnerstag darüber entscheiden und zugleich den Streikbezirk auswählen. Für die Region Berlin/Brandenburg wäre es der erste Metaller-Streik seit Kriegsende. Zuletzt hatten die Metaller 1995 in Bayern gestreikt.
Nach Angaben der IG Metall stimmten in Ost-Berlin und Brandenburg 87,2 Prozent der abstimmungsberechtigten 5.255 Metaller für einen Arbeitskampf. In West-Berlin haben 85,7 Prozent der 9468 Gewerkschafter für einen Ausstand gestimmt. Die Wahlbeteiligung habe jeweils bei über 95 Prozent gelegen. Die Abstimmung hatte am Donnerstag nach Mitternacht begonnen. Die Gewerkschaft war mit ihrer ursprünglichen Forderung von 6,5 Prozent höheren Einkommen in die Urabstimmung gegangen. Die Arbeitgeber boten zuletzt 3,3 Prozent für 13 Monate an.
Düvel sagte: "Ich vermute mal, dass wir am 6. Mai noch nicht dabei sind." Er bekräftigte, dass es zwischen Urabstimmung und Streik keine Gespräche mit den Arbeitgebern geben werde. "Wenn der Streik begonnen hat, ab dann ist jeder Zeit das Verhandeln möglich." Die Arbeitgeberseite hatte mehrfach ihre Bereitschaft bekräftigt, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Nach Darstellung der Arbeitgeber sagt das Urabstimmungsergebnis nichts über die wirkliche Stimmung in den Unternehmen aus. Die IG Metall habe nur in 177 der rund 270 Mitgliedsbetriebe des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg (VME) zur Urabstimmung aufgerufen. In kleineren und mittleren Betrieben sei der Organisationsgrad der Gewerkschaft geringer. Der Anteil der Stimmberechtigten liege weit unter 50 Prozent.

