Donnerstag, 25. April 2002

Johansson für weitere vier Jahre UEFA-Präsident

  • Abgeordnete votierten einstimmig für den Schweden
  • Michel Platini zieht ins UEFA-Exekutivkomitee ein

Lennart Johansson bleibt auch in den kommenden vier Jahren Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA). In Stockholm stimmten die Abgeordneten auf dem 26. ordentlichen UEFA-Kongress am Donnerstag einstimmig für eine Ausdehnung der Amtszeit des Schweden, der bereits seit zwölf Jahren an der Spitze des kontinentalen Verbands steht. Der 72-Jährige war in dieser Zeit u.a. an der Einführung die Champions League sowie der Aufstockung des Teilnehmerfeldes bei Europameisterschaften auf 16 Nationen beteiligt.

Michel Platini, Vizepräsident des Französischen Verbandes, wurde ins FIFA- und UEFA-Exekutivkomitee gewählt. Ebenfalls im FIFA-Exekutivkomitee vertreten sein wird DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder.

Erfolg auch für Blatter
Im Mittelpunkt des Kongresses stand vor allem das direkte Aufeinandertreffen der Hauptpersonen im eskalierten Fußball-Machtkampf: FIFA-Chef Joseph Blatter, sein Herausforderer Issa Hayatou und Johansson. Als Sieger durfte sich am Ende der vornehmlich von der amtierenden UEFA-Spitze angegriffene Blatter fühlen. Denn die in die FIFA-Exekutive gewählten Mayer-Vorfelder, Angel Miguel Villar Llona (Spanien) und Platini gelten allesamt als ihm wohlgesonnene Funktionäre, dagegen wurde mit dem Norweger Per Ravn Omdal ein erklärter Blatter-Gegner sang- und klanglos abgewählt.

Dürftiger Applaus für FIFA-Chef
"Die Wahlen sind sehr positiv für den Fußball, die FIFA und meine Administration", frohlockte Blatter dann auch. Zuvor war er in seiner Ansprache sichtlich angespannt gewesen. In einem eindringlichen Appell hatte er die "Solidarität in der Fußball-Familie" angemahnt und zugleich den Vorwurf des anti-europäischen Verhaltens zurück gewiesen. "Gestatten Sie mir die Gelegenheit, ein für alle Mal Gerüchte aus der Welt zu schaffen, ich wolle Europas Bedeutung reduzieren. Ich wäre sehr dumm, wenn ich dies täte", sagte der Schweizer, der allerdings ebenso wie Hayatou nur mit dürftigem Applaus bedacht wurde.

Daran änderte auch Blatters Aufruf für die Rückkehr zu einem respektvollen Umgang miteinander nichts. "Ich appelliere an Sie: Wir brauchen Einheit, Solidarität, Demokratie in einer Zeit, in der die Situation außer Kontrolle zu geraten droht für die, die für den Fußball zuständig sind", sagte der 66-Jährige.

Hayatou, der Blatter bei der Wahl am 29. Mai in Seoul stürzen will, untermauerte indes in einer farblosen Rede seine Kritik an der FIFA-Spitze. "Es gibt Dinge in der FIFA, die nicht mehr im Gleichgewicht sind und korrigiert werden müssen", sagte der Präsident des Afrikanischen Fußball-Verbandes und versprach: "Ich setze mich für traditionelle Werte ein: Ausbildung, Transparenz, Modernität und demokratische Führung."

Auch Johansson mäßigte sich
Wie Blatter und Hayatou war auch Johansson, der mit stehenden Ovationen für vier weitere Jahre im Amt bestätigt wurde, nach den harschen Angriffen der Vortage um eine moderate Wortwahl bemüht. Aus seinen Haltung pro Hayatou und contra Blatter aber machte der 72-jährige Schwede keinen Hehl. Ebenso wenig aus seiner Sorge, die FIFA-Schulden nach dem Konkurs des Marketing-Partners ISL könnten weitaus größer sein als von Blatter angegeben. Dem widersprach Blatter am Donnerstag erneut: "Die Finanzen der FIFA sind klar und sauber."

25.4.2002 12:28