profil: Für Haider ist Sharon ein "Kriegsverbrecher"
- Kärntner Landeshauptmann attackiert Staatschefs
- Haider denkt an Aufbau einer rechten Europapartei

In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" attackiert der Kärntner Landeshauptmann und Ex-FPÖ-Chef Jörg Haider gleich mehrere hochrangige ausländische Politiker. Israels Ministerpräsident Ariel Sharon nennt Haider dezidiert einen "Kriegsverbrecher". Haider ist dafür, Sharon für das Vorgehen der israelischen Armee vor das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu zitieren. Haider in "profil": "Er ist persönlich zur Verantwortung zu ziehen. Genauso, wie man das mit Milosevic oder Karadzic gemacht hat."
Attackiert werden von Haider aber auch der französische Staatspräsident Jacques Chirac und sein Gegner in der kommenden Stichwahl um das Präsidentenamt, Jean-Marie Le Pen. Auf die Frage, welchem von beiden er seine Stimme geben würde, meint Haider: "Ich bin froh, dass mir diese Wahl erspart bleibt. Leider bekommt Chirac nun eine historische Chance, mit Hilfe der Linken gewählt zu werden, obwohl er in Wahrheit vor Gericht und nicht in den Elysée-Palast gehört." Auch gegenüber Le Pen lässt Haider harte Worte anklingen. Haider in "profil": "Le Pen hat in seinem Programm rassistische Positionen, die in einer modernen Welt nichts verloren haben."
Trotz seiner Kritik an Le Pen denkt Haider aber an den Aufbau einer rechten Europapartei, die bei den EU-Wahlen 2004 in mehreren Ländern kandidieren sollte. Haider hält eine solche Bewegung für "vorstellbar, vor allem aber dringend notwendig", um "ein Gegenprogramm gegen den bürokratischen Wahnsinn von Brüssel" zu etablieren. Laut Haider hätte eine solche Bewegung etwa in Dänemark, Holland, Süddeutschland und Italien, wo Haider Kooperationen mit der Lega Nord und Forza Italia anstrebt, große Chancen auf Erfolg. Haider: "Da braucht man ein paar bekannte Namen, die dann in ihren Ländern etwa unter dem Namen "Neues Europa" kandidieren."
Innenpolitisch relativiert der Kärntner Landeshauptmann seine jüngsten Aussagen zu einer möglichen Kanzlerkandidatur. Haider will bis 2004 Landeshauptmann in Kärnten bleiben, außer, so Haider, "man einigt sich bei der Regierungsbildung auf einen Kanzler Haider". Spitzenkandidatin bei der nächsten Nationalratswahl soll laut Alt-FP-Chef Haider Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer sein. Haider: "Sie wird von mir dabei massiv unterstützt werden."
Heftig geht Jörg Haider mit dem Koalitionspartner ÖVP ins Gericht. Die Volkspartei von Wolfgang Schüssel nennt Haider eine "Postenbeschaffungsagentur" und nennt Innenminister Ernst Strasser als Beispiel. Haider: "Strasser geht den ganzen Tag mur mit Stricherllisten durch die Gegend und schaut, welcher Polizist welche Farbe hat, damit er nur ja den richtigen Postenkommandanten ernennt."
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