Gedenkfeiern am ersten Schultag nach dem Amoklauf
- Waffengesetze: Deutschland & Österreich debattiert
- Die Bilder: So trauert Deutschland um die Opfer von Erfurt
·DIE BILDER
Erfurt trauert nach dem Amoklauf
·Anonymer Brief
Niedersachsen: 2. Fall von Psychose?
·Waffenschein
Österreich: 300.000 haben einen
·Robert S.
Persönlichkeit: Auf-fallend unauffällig
·Augenzeuge
So stoppte dieser Lehrer den Täter
·Stichwort
Pump-Gun: Mehr-schüssige Waffe
·Psychologe
Tatort hat meist mit Kränkung zu tun
Heute gab es in ganz Deutschland Trauerkundgebungen. Um 11.05 Uhr - dem Zeitpunkt, an dem der Hausmeister des Gutenberg-Gymnasiums am Freitag die Polizei um Hilfe rief - verharrten bundesweit in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden Menschen in Schweigen. Nach dem Amoklauf in Erfurt wird in Deutschland hitzig über eine Verschärfung des Waffengesetzes diskutiert. Der deutsche Innenminister Schily ist dafür. Auch in Österreich wird heftig debattiert. Innenminister Strasser sieht keine Veranlassung für ein schärferes Waffengesetz. Es sei eine Tatsache, dass Killervideos Gift für Kinder seien, so Strasser weiter.
"Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit", erklärte Innenminister Strasser (V) zum Amoklauf in Erfurt. Für ihn und Bildungsministerin Gehrer (V) stellt die Vorbeugung den wichtigsten Schritt im Kampf gegen Gewalt dar. Die gesetzlichen Bestimmungen seien ausreichend. Allerdings müsse die Gesellschaft rechtzeitig bei psychischen Veränderungen Alarm schlagen.
Eine Verschärfung des Zuganges zu Waffen, wie sie in Deutschland diskutiert wird, sei für Österreich nicht nötig, sagte Strasser. Mit der Änderung des Waffengesetzes im Jahr 1996 gebe es ein Verbot des Waffenbesitzes unter 21 Jahren. Schüler hätten somit gar keinen Zugang. Die psychologisch Prüfung stelle eine weitere Hürde für labile Menschen dar. Eine weitere Verschärfung sei daher nicht geplant.
Gehrer & Strasser: Killervideos sind Gift für Kinder
Sportschützen, die jünger als 21 Jahre sind, dürfen die Waffen nur auf behördlich genehmigten Schießständen verwenden. Nach dem Gebrauch müssen sie sicher verwahrt werden. Mit nach Hause darf sie der Schütze nicht nehmen.
Gehrer und Strasser erklärten, dass die Verantwortung für die Erziehung der Kinder und Jugendlichen nicht auf Schule und Polizei abgeschoben werden dürfe. Die Hauptverantwortung liege bei den Eltern und der Gesellschaft. Allerdings werde vom Bildungs- und vom Innenministerium alles unternommen, um Kindern den Zugang zur Gewalt zu erschweren.
Ein besonderes Problem, das auch zu einem Gewaltausbruch führen könnte, stellt laut Gehrer die elektronische Verbreitung von Gewaltbildern und Videos dar. "Killervideos schaden Kinderseelen", erklärte sie. Für die Internetanschlüsse in Schulen sei deshalb eine eigene Firewall installiert worden, durch die "einschlägige" Seiten automatisch gesperrt sind. Allerdings sollten sich auch die Eltern daheim um die Seiten kümmern, die ihre Sprösslinge besuchen. Auch Bundesminister Strasser sprach sich gegen Gewaltvideos aus: Es sei eine Tatsache, dass Killervideos Gift für die Kinder seien und ähnliche Tragödien auslösen könnten, wie Kinderpornos.
SPÖ fordert Verbot von Schusswaffen in Privathaushalten
Kritik am derzeit geltenden Waffengesetz kommt von der SPÖ. In Aussendungen wurde ein Verbot von Schusswaffen in Privathaushalten gefordert. "Jedes einzelne Menschenleben, das durch ein strengeres Waffengesetz gerettet wird, ist eine mehr als ausreichende Rechtfertigung für ein sofortiges Verbot von Waffen in Privathaushalten", erklärte die Frauensprecherin der SPÖ Wien, LAbg. Martina Ludwig.
Verschärfung des Waffenrechts hilfreich?
Die deutsche Regierung erwägt eine erneute Verschärfung des Waffenrechts. Innenminister Schily regte an, den Waffenbesitz für 18 bis 21jährige zu erschweren. "Der Zugang zu Waffen für diesen Zeitraum sollte noch einmal überdacht werden." Es sei bedenklich, dass ein 19-jähriger Waffen und große Mengen Munition zu Hause aufbewahren könne. Heranwachsende hätten häufig in diesem Alter noch Entwicklungsprobleme. Dies berücksichtige auch das am Freitag vom Bundestag beschlossene neue Waffengesetz nicht, sagte Schily am Sonntagabend.
Schüler stehen immer noch unter Schock
Die Direktion des Gymnasiums sucht inzwischen nach Möglichkeiten, den Schülern trotz Schock und Trauerarbeit wieder Unterricht und auch die Abiturprüfungen zu ermöglichen. "Wir sind alle traumatisiert, aber wir müssen andererseits natürlich alle unsere Arbeit verrichten, damit die Kinder irgendwann in geregelte Bahnen kommen", sagte Direktorin Christiane Alt.
Vor dem Tor des Gymnasiums sanken einander am Montag früh immer wieder Mädchen und Burschen weinend in die Arme. In dem Gebäude hatte am Freitag der 19-jährige Ex-Schüler Robert Steinhäuser 16 Menschen und sich selbst erschossen. Vor dem Portal bildeten Blumen einen dichten Teppich, dazwischen lagen Schilder mit Trauerworten und immer wieder der Frage "Warum". Mit Bussen wurden die Schüler und Lehrer dann zum Rathaus gefahren, in dem sich die Burschen und Mädchen mit ihren Lehrern und mit Psychologen zu Gesprächsrunden zusammenfanden.
Kontroverse über Gewalt-Videos entbrannt
Unterdessen entbrannte zwischen dem deutschen Innenminister Otto Schily (SPD) und seinem bayerischen Amtskollegen Günther Beckstein (CSU) eine heftige Kontroverse über ein Verbot Gewalt verherrlichender Videos und Computerspiele. Schily wies den Vorwurf Becksteins zurück, die Bundesregierung habe eine Bundesrats-Initiative zum Verbot von Gewaltvideos verschleppt. Das disqualifiziere ihn als Mitglied von Stoibers Wahlkampfteam, sagte Schily. Beckstein mache "schamlos und unanständig" Wahlkampf. Der bayerische Innenminister wiederholte seinerseits den Vorwurf der "skandalösen Untätigkeit".
Amokläufer warnte Mitschüler vor
Der Erfurter Polizeichef Rainer Grube sagte, vieles deute auf eine geplante Tat hin. Steinhäuser habe per Kurzmitteilung über das Handy "informiert, dass bestimmte Leute am Tattag nicht in die Schule gehen sollten".
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