Freitag, 26. April 2002

Sprengsatz in Moschee tötet zwölf Frauen und Kinder

  • Attentat auf schiitische Moslems
  • Täter waren möglicherweise sunnitische Extremisten

Ein Sprengsatz hat am späten Donnerstagabend (Ortszeit) in Zentral-Pakistan zwölf Frauen und Kinder getötet, die auf dem Gelände einer schiitisch-moslemischen Moschee an einer moslemischen Gedenkfeier teilnahmen. Wer den Sprengsatz legte oder warf, war am Freitag noch nicht klar, doch vermuteten Bewohner der Stadt Bhakkar in Punjab Extremisten der sunnitischen Glaubensrichtung des Islams hinter der Tat.

Die Explosion war so stark, dass sie mehrere der Opfer regelrecht zerrissen haben soll. Zwei Menschen schwebten noch in Lebensgefahr. Augenzeugen und Ärzte berichteten, es seien neun Frauen und drei Kinder ums Leben gekommen. Von den 23 Verletzten wurden am Freitagmorgen noch 14 im Krankenhaus von Bhakkar behandelt, wie aus der Verwaltung verlautete. "Wir können nicht sagen, ob es eine Handgranate war oder ob eine Bombe gelegt wurde", sagte Sohail Naqvi, der Sohn des Oberhauptes der Schiiten der Stadt.

Tausende von Gläubigen hatten sich in der Moschee und auf dem Außengelände versammelt, um des Todes des Kalifen Husain zu gedenken. Er war der Sohn des Mohammed-Schwiegersohnes Ali, des Stifters der schiitischen Glaubensrichtung. Husain fiel wie sein Vater während des Machtkampfes unter den Nachkommen des Islam-Gründers Mohammed im siebten Jahrhundert. Der Sprengsatz detonierte auf dem Außengelände des Gotteshauses, wo sich die Frauen mit ihren Kindern versammelt hatten. In den Moscheen dürfen nur Männer ihre Andacht verrichten.

Die Revolution der schiitischen Moslems im Nachbarland Iran 1979 ließ in Pakistan die alten Spannungen zwischen den beiden Glaubensrichtungen wieder aufbrechen. Die Extremisten unter den Sunniten werfen den Schiiten vor, im Solde einer fremden Macht, Irans, zu stehen. Die Schiiten machen 15 Prozent der 140 Millionen Pakistaner aus, in Iran stellen sie die große Mehrheit.

Staatspräsident Pervez Musharraf hatte im Jänner im Rahmen einer allgemeinen Kampagne gegen den Radikalismus und Terrorismus die Zerschlagung der militanten Gruppen der Sunniten und Schiiten angekündigt. Mehrere hundert ihrer Mitglieder wurden verhaftet, zumeist aber später aus Mangel an Beweisen für ihre Verwicklung in die Konfrontation wieder frei gelassen. Unter Musharraf beteiligt sich Pakistan am internationalen Feldzug gegen den Terrorismus. Der Feldzug begann nach den Anschlägen des 11. September 2001 in den USA.

26.4.2002 06:25