Mittwoch, 24. April 2002

Tierarzt Fechter erhielt lediglich Bewährungsstrafe

  • Zwei Jahre Haft wegen illegalem Medikamentenhandel

Der Straubinger Tierarzt Roland Fechter ist am Mittwoch vom Landgericht Regensburg wegen illegalen Medikamentenhandels zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Zugleich ordnete das Gericht den Verfall von Gewinnen in Höhe von rund 150.000 Euro an.

Damit blieben die Richter deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die für den 37-Jährigen zweieinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Die Verteidigung hatte Freispruch beantragt. Fechter gilt als Hauptfigur im so genannten Schweinemast-Skandal.

Arzneihandel für Bauern betrieben?
Die Staatsanwaltschaft hatte dem Veterinär vorgeworfen, einen regen Arzneihandel für Bauern in seiner Tierklinik betrieben zu haben. In ihrem Plädoyer hatte sich die Anklagebehörde dafür ausgesprochen, die durch gesetzwidrige Handlungen erzielten Gewinne Fechters in Höhe von 700.000 Euro vom Staat einzuziehen. Das von der Staatsanwaltschaft geforderte Berufsverbot lehnte das Gericht ab.

Der so genannte Schweinemast-Skandal hatte Anfang 2001 zum Rücktritt der damaligen bayerischen Sozialministerin Barbara Stamm (CSU) geführt. Ihr Ministerium soll von der Tierärztekammer bereits Jahre zuvor vor illegalen Machenschaften mancher Praxen gewarnt worden sein und nichts unternommen haben. Stamm war davor bereits wegen der BSE-Krise in die Kritik geraten.

Vor seiner Festnahme hatte der Veterinär die Vorwürfe zurückgewiesen. Er beschuldigte Kollegen falscher Verdächtigungen. Die in Deutschland nicht zugelassenen Präparate habe er nur in Straubing gelagert, weil er in Österreich noch eine weitere Praxis besitze. Dort seien diese Medikamente rechtmäßig verwendet worden.

"Habe Österreichern nie Arzneien verkauft"
Er habe österreichischen Züchtern nie illegale Arzneien verkauft, sagte Fechter damals in Graz. Der Medikamenten-Import nach Österreich sei "völlig legal und auf dem Boden der österreichischen und EU-Gesetzgebung" erfolgt. Dagegen sprachen österreichische Tierschützer von illegalem Medikamenten-Einsatz in mindestens 500 Betrieben.

24.4.2002 13:42