Mittwoch, 24. April 2002

VKI-Test: Abgepackter Salat mit Bakterien verseucht

  • Nur zwei von 23 Proben nicht verseucht
  • Häufig falsche Lagerung in Supermärkten

Verseucht mit Bakterien, Keimen, Nitraten: Der Verein für Konsumenteninformation untersuchte das Angebot an "verpackten Salaten" in den heimischen Supermärkten. Das Urteil fällt vernichtend aus. Von 23 Proben waren nur zwei genießbar.

Äußerst unappetitliche Ergebnisse brachte ein im Februar vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) durchgeführter Test von verpackten Salaten aus Wiener Supermärkten: Ein Großteil der Produkte war nicht mehr zum Verzehr geeignet. Von 23 Proben wurden 13 mit "nicht zufrieden stellend" bewertet, nur fünf wurden mit "sehr gut" oder "gut" beurteilt. Lediglich zwei Proben wurden bei den vorgeschriebenen Temperaturen von maximal vier Grad gelagert. "Ich habe den Eindruck, der Handel hat noch nicht mitbekommen, wie man damit umgeht", sagte VKI-Geschäftsführer Hannes Spitalsky. Er sprach vom schlechtesten Ergebnis, das bisher bei einer derartigen Untersuchung erzielt worden sei.

Häufig falsche Lagerung in Supermärkten
Geputzte, geschnittene, meist gewaschene und trockengeschleuderte Blattsalate in Plastiksäckchen oder -schüsseln sind besonders anfällig für den Verderb. Bei geschnittenen oder geraspelten Pflanzen tritt, wie VKI-Ernährungswissenschafterin Birgit Beck erläuterte, Saft aus den Zellen aus. Dieser bietet Mikroorganismen ideale Bedingungen zur Vermehrung. Aus diesem Grund gelten bei Produktion, Transport und Lagerung strenge Hygiene- und Temperaturvorschriften.

So müssen diese Salate im Kühlregal bei maximal vier Grad gelagert werden. Unter dieser Voraussetzung sollten sie fünf Tage halten. Abgesehen davon, dass dies nur bei zwei der 23 Proben zutraf, wurden in drei Fällen sogar 17 bis 19 Grad gemessen. Neun der Proben schieden wegen vertrockneter oder zermatschter Blätter, sichtbarem Schimmel, säuerlichem Geruch oder dumpfem und altem Geschmack aus. Von den 14 im Bewerb verbliebenen Salaren schafften vier die bakteriologische Untersuchung nicht: Sie enthielten zum Teil Keime wie Enterokokken und Coliforme Keime, die zu Übelkeit und Brechdurchfall führen können.

Bei vier Proben wurden überhöhte Nitrat-Werte ermittelt, drei Mal bei Rucola, ein Mal bei Vogerlsalat. Bei Rucola gibt es keinen festgelegten Grenzwert, bekannt ist laut Birgit Beck, dass diese Sorte einen guten Nitrat-Speicher darstellt. Die Vorschriften der Lebensmittel-Kennzeichnung wurden in zwölf Fällen nicht eingehalten. Bei einigen Produkten fehlten Angaben zur Mindesthaltbarkeit.

Birgit Beck rät den Konsumenten, bei der Auswahl darauf zu achten, ob sich im Säckchen welke oder gar zermatschte Blätter befinden, den Salat nicht am letzten Tag der Mindesthaltbarkeit zu kaufen oder zu essen, auf jeden Fall noch einmal zu waschen und den gesamten Inhalt einer Packung sofort zu verbrauchen. Rucola-Salat sollte wegen des Nitratgehalts nicht zu oft und besser gemischt mit anderen Salaten gegessen werden.

24.4.2002 10:36