Sonntag, 21. April 2002

Argentinische Banken bis Donnerstag geschlossen

  • Zentralbank will Abhebungen verhindern
  • Regierung will die Sparer mit Staatsanleihen abfinden

In Argentinien sollen die Banken bis Donnerstag einschließlich geschlossen bleiben. "Die Bank- und Divisenhandelsfeiertage werden bis 25. April andauern", teilte die Zentralbank in der Nacht auf Dienstag mit. Die Feiertage waren in der Nacht auf Samstag ausgerufen worden, um unkontrollierte Bargeldabhebungen zu verhindern.

Ursprünglich sollten sie Bankenkreisen zufolge so lange anhalten, bis das Parlament ein Gesetz verabschiedet hat, das ein Großteil der Spareinlagen in zehnjährige Staatsanleihen umwandelt. Im Kongress ist jedoch bisher keine Debatte dazu angesetzt worden.

Seit vier Jahren steckt Argentinien in der Rezession. Das Land hatte im Dezember 2001 den Schuldendienst auf einen Teil seiner Verbindlichkeiten von insgesamt 141 Milliarden Dollar (159 Mrd. Euro) eingestellt. Nach privaten Schätzungen sind seit Mitte Jänner etwa zehn Prozent der Spareinlagen abgehoben worden.

Regierung will Sparer mit Staatsanleihen abfinden
Alle noch im Banksystem festgehaltenen Peso-Ersparnisse sollen nun zwangsweise in staatliche Wechsel von zweifelhaftem Wert umgestellt werden. Die Regierung des peronistischen Präsidenten Eduardo Duhalde (Bild) will mit dem Gesetzentwurf den Zusammenbruch des Bankensystems verhindern.

Statt wie geplant in Ruhe von den Zinsen ihrer Dollarguthaben zu leben, sollen die Menschen nun mit so genannten Bonex abgegolten werden, die erst in fünf oder zehn Jahren eingelöst werden können. Es ist bereits das zweite Mal in nur zwölf Jahren, dass die Ersparnisse auf diese Weise entwertet werden. Und auf das Zahlungsversprechen eines seit Anfang Jänner zahlungsunfähigen Staates gibt kaum jemand einen Pfifferling. Höchstens 15 bis 20 Prozent ihres Nominalwertes würden die Papiere wert sein, schätzen Finanzexperten.

Regierung will Staatsbanken fusionieren
Als Beitrag zur Überwindung der Finanzkrise in Argentinien will die Regierung außerdem die Arbeit der staatlichen Banken auf eine neue Grundlage stellen. Dazu soll auch eine Fusion der öffentlich-rechtlichen Institute zu einem Banco Federal Nacional gehören, wie Präsidentensprecher Eduardo Amadeo am Sonntag mitteilte. "Wir wollen stärkere, solidere Banken haben", sagte Amadeo.

21.4.2002 09:28