Samstag, 20. April 2002

Bill Gates sagte erstmals im Microsoft-Prozess aus

  • Gegen weitere Strafen ausgesprochen

Microsoft-Gründer Bill Gates hat am Montag erstmals im Kartellverfahren gegen den vom ihm gegründeten Softwareriesen Microsoft ausgesagt und sich entschieden gegen weitere Strafen ausgesprochen.

Die von neun US-Bundesstaaten geforderten Strafen würden die Entwicklung des Betriebssystems Microsoft um Jahre zurückwerfen, sagte Gates nach Medienberichten. Außerdem werde Microsoft dadurch gegenüber seinen Konkurrenten unfair benachteiligt.

Neun US-Bundesstaaten haben den Vergleich, den Microsoft mit dem US-Justizministerium und neun anderen Bundesstaaten geschlossen hatte, als unzureichend verworfen und strengere Auflagen gefordert. Die Bundesstaaten verlangen unter anderen, dass Microsoft Teile seines geheimen Quellcodes für Windows offen legt und Windows auch abgespeckt ohne bestimmte Programme wie den Internet Explorer anbieten muss.

Forderungen nach Windows-Umgestaltung abgelehnt
Der Mitbegründer des US-Software-Riesen Microsoft, Bill Gates, hat Forderungen von neun Bundesstaaten nach einer Neugestaltung des Betriebssystems Windows entschieden zurückgewiesen. Gates sagte am Montag in dem Kartellrechtsverfahren vor dem Gericht in Washington, diese Forderungen seien technisch nicht umsetzbar und würden seinem Unternehmen Einnahmeverluste von etwa zehn Milliarden Dollar (elf Mrd. Euro) bringen. Die Kläger fordern, dass Microsoft eine abgespeckte Version von Windows herausbringt, um es PC-Herstellern zu erleichtern, Software anderer Firmen in Windows einzubauen.

Gates hielt dagegen, Windows sei als "einziges, integriertes Produkt" konzipiert, das eine breite Palette von Leistungen anbiete. Einzelne Komponenten ließen sich nicht einfach abtrennen. Der Plan der neun Staaten, wonach Microsoft die abgespeckten Windows-Versionen mit Rabatt verkaufen soll, könne den Marktpreis des Betriebssystems gegen Null abstürzen lassen. Microsoft wäre dann laut Gates gezwungen, Windows ganz vom Markt zu nahmen. Der Wert seines Unternehmens würde damit "stark sinken", sagte der Microsoft-Gründer. Es war das erste Mal, dass Gates in dem seit vier Jahren währenden Kartellrechtskonflikt direkt vor Gericht aussagte. 1998 hatte er seine Aussage per Videokassette bei Gericht abliefern lassen.

20.4.2002 14:58