Montag, 15. April 2002

Weiter Ringen um das Überleben von Premiere World

  • Murdoch bietet angeblich bis zu einer Milliarde Euro
  • Kirch-Rettung an verborgenen Geschäften gescheitert

Hinter verschlossenen Türen wird weiter heftig um die Zukunft des Bezahlfernsehsenders Premiere World gerungen. In Bankenkreisen hieß es Montag, die Verhandlungen dauerten an. Laut Medienberichten verdichten sich aber die Anzeichen, dass der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch künftig die Kontrolle über den hochverschuldeten Abokanal übernimmt.

Unterdessen berichtete die "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe), dass das Auftauchen immer neuer verborgener Zahlungsverpflichtungen letztendlich für das Scheitern der Bemühungen um eine Rettung von KirchMedia vor der Insolvenz verantwortlich gewesen seien.

Die "Süddeutsche Zeitung" (Montagausgabe) berichtete, Murdoch wolle bis zu eine Mrd. Euro für die Mehrheit an dem immer noch Kirch gehörenden Sender Premiere World zahlen. Zuvor hatte es bereits in "Welt am Sonntag" geheißen, der Australier habe ein Angebot über 600 Mill. Euro auf den Tisch gelegt. Auch die anderen Minderheitsgesellschafter - die New Yorker Investmentbank Lehman Brothers, der saudiarabische Prinz El Walid und die US-Finanzgesellschaft Capital Research - sollen laut "SZ" offenbar auf Murdochs Kurs eingeschwenkt sein.

Knackpunkt der aktuellen Verhandlungen mit den Banken ist dem Bericht zufolge, dass Murdoch, dessen Konzern bisher 22 Prozent an Premiere gehören, verlange, die Hauptkreditgeber HypoVereinsbank und Bayerische Landesbank sollten ihrerseits gegen eine Minderheitsbeteiligung bis zu einer Mrd. Euro in den notleidenden Sender stecken. Ein ungenannter beteiligter Bank-Manager nannte dies in dem Blatt "fast ein unsittliches Angebot".

Auch über einen dringend benötigten Zwischenkredit in Höhe von 200 Mill. Euro zur Fortführung der Premiere-Geschäfte bis zur Jahresmitte habe sich die Runde nicht einigen können. Dennoch rechneten die Beteiligten weiter nicht mit einem raschen Insolvenzantrag der Kirch-Pay-TV.

Laut "Financial Times Deutschland", scheiterten die Rettungspläne vor der Insolvenz von KirchMedia letztendlich an zu vielen verborgenen Vereinbarungen und Verpflichtungen. Immer wieder stießen die Sanierungsexperten demnach auf neue Posten: Etwa einer bisher unbekannten Finanzspritze von mehr als 150 Mill. Euro, mit der Leo Kirch seinem Sohn Thomas für dessen Engagement beim Einkaufssender H.O.T ausgeholfen haben soll.

Nach Enthüllung dieser und anderer Verpflichtungen hätten die Banken und Minderheitsaktionäre ihre Bemühungen aufgegeben, KirchMedia vor der Zwangsverwaltung zu retten. Die Investoren hätten die Gültigkeit von Kirchs Büchern in Frage gestellt und zu zweifeln begonnen, ob die vorgeschlagene Kapitalerhöhung um 800 Mill. Euro zur Sanierung des Kirch-Konzerns ausgereicht hätte.

15.4.2002 13:37