Montag, 15. April 2002

Steiner-Prozess: Angestellte belasten Chefs schwer

  • Nach Millionenbrand fünf Personen unter Betrugsverdacht
  • Vater und Sohn Steiner weisen jede Schuld von sich

Im ersten Prozess am Landesgericht Wels im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Steiner-Firmenimperiums in Oberösterreich haben am Dienstag drei angeklagte Mitarbeiter die beiden anderen Angeklagten - den 58-jährigen Firmengründer Leopold Steiner und seinen 38-jährigen Sohn Alfred, der als Firmenvorstand tätig war - belastet. Allen wird teils vollendeter, teils versuchter schwerer Betrug nach einem Brand im Steiner-Tochterunternehmen Steco im März 2000 in Aurachkirchen (Bez. Gmunden) vorgeworfen. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Steco beschäftigte sich mit einem aus Kunststoffkisten bestehenden Transportsystem für Obst und Gemüse. Nach der Brandstiftung durch unbekannte Täter, bei der das Lager mit unzähligen Kunststoffkisten zerstört wurde, hatte die Firma bei den Versicherungen einen ein Schaden von damals 550 Mill. Schilling - 40 Mill. Euro - geltend gemacht. Kassiert hat sie insgesamt 21,8 Mill. Euro, dem stehe jedoch laut Anklage ein nachvollziehbarer Schaden von nur 10,46 Mill. Euro gegenüber.

Steiner-Konzern war vor Brand schon zahlungsunfähig
Staatsanwältin Ulrike Althuber erläuterte in ihrer Anklage, dass der Steiner-Konzern schon 1999 zahlungsunfähig gewesen sei und sich in einer wirtschaftlich aussichtslosen Situation befunden habe. Zudem seien vor dem Brand die Deckungssummen der Versicherungen um 50 Prozent erhöht worden. Die Abwicklung des Schadens mit den Versicherungen habe sich Alfred Steiner als Vorsitzender des Aufsichtsrates ausschließlich vorbehalten.

Manipuliert Unterlagen und falsche Auskünfte
Mit Gutachten, die - so die Anklage - auf manipulierten Unterlagen und falschen Auskünften beruhten, sei ein überhöhter Schaden bei den Versicherungen geltend gemacht worden. So seien auf Veranlassung der Firmenchefs die Lagerbestände und die davor liegende Produktion sowie - im Zusammenhang mit der Betriebsunterbrechungsversicherung - die Produktionsprognosen durch Papiere und Buchungen der angeklagten Mitarbeiter überhöht dargestellt worden.

Insgesamt 21,8 Mill. Euro kassiert
Die Versicherungen zahlten anfangs 13,08 Mill. Euro und verweigerten aber später wegen Zweifeln an der Schadenshöhe weitere Zahlungen. Deswegen kam es sogar zu einem Gerichtsstreit. Dennoch verkauften die Steiner-Firmenchefs offene aber angeblich noch eingehende Forderungen an die Versicherungen an einen befreundeten Geschäftsmann um weitere 8,72 Mill. Euro. Insgesamt kassierten sie 21,8 Mill. Euro, dem stehe ein nachvollziehbarer Schaden von nur 10,46 Mill. Euro gegenüber, rechnete die Anklage vor.

Vater und Sohn Steiner streiten alles ab
Die Anwälte von Vater und Sohn Steiner bestritten jede Betrugsabsicht. Bei den Ermittlungen der Sicherheitsbehörden sei nicht die Wahrheit gesucht worden. Vielmehr sei am Beginn festgelegt worden, dass die beiden die "Bösen" seien und alle Ermittlungen seien dem gefolgt - mit Vorurteilen und unter Verletzung des Amtsgeheimnisses, wie die Anwälte kritisierten. Die beiden hätten jedoch keine Veranlassung zu Manipulationen gehabt.

Mitarbeiter weitgehen geständig
Die angeklagten Mitarbeiter zeigten sich in der Sache weitgehend geständig. Sie hätten auf Anweisung der Firmenchefs und aus Angst vor Kündigung Daten in das Buchhaltungssystem eingegeben. Vor allem ohne Leopold Steiner sei im Unternehmen nichts gegangen, sein Wort sei "Gesetz" gewesen. Bis auf einen der drei Angeklagten hätten sie aber nicht gewusst, ob ihre Eingaben in das Buchhaltungssystem unrichtig seien und, dass diese für Versicherungsbetrug verwendet würden. Einer hätte Zweifel an der Richtigkeit der Daten über die vorhandenen Kisten gehabt und wollte eine Inventur vornehmen, da sei ihm allerdings der Brand zuvor gekommen.

15.4.2002 12:08