McLaren-Silberpfeile weiter im Sturzflug
- Coulthard in Imola überrundet, Raikkönen ausgefallen
- Ron Dennis: "Wer uns abschreibt, ist ein dummer Mensch"

Flop statt Top: McLaren-Mercedes schlittert immer tiefer in die Krise. Die einst so siegverwöhnten Silberpfeile schleichen in dieser Formel-1-Saison der roten und weiß-blauen Konkurrenz nur noch hinterher. Und ein Ende des Sturzflugs scheint nicht in Sicht.
Negativer Höhepunkt der niederschmetternden Serie von Pleiten, Pech und Pannen war David Coulthards Überrundung durch San-Marino-Triumphator Michael Schumacher und Rubens Barrichello beim Ferrari-Doppelerfolg in Imola sowie Kimi Räikkönens erneutes Ausscheiden.
Verbesserungsbedarf
"Wir haben rundum Verbesserungsbedarf. Wir waren von den Rundenzeiten her überhaupt nicht konkurrenzfähig", lautete die enttäuschende Bilanz von Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nach dem Rennen in Imola.
Krisengipfel
"Ich habe nichts zu sagen, ich habe nur etwas zu tun", lehnte DaimlerChrysler-Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert einen Kommentar zum kümmerlichen Abschneiden des selbst ernannten Titelaspiranten ab. Dann zog sich die McLaren-Mercedes-Führungscrew zum Krisengipfel ins pompöse Communication Center zurück. Neben Hubbert analysierten Teamchef Ron Dennis (gr. Bild), Haug, Teamdirektor Martin Whitmarsh, Motoren-Konstrukteur Mario Illien und Technik-Direktor Adrian Newey im Besprechungssalon "Eau Rouge" schonungslos das Debakel.
"Der einzige Weg ist harte Arbeit"
"Man kommt nicht weit im Leben, wenn man seine Schwächen preisgibt", lehnte es Dennis anschließend ab, die Mängel detailliert aufzulisten. Der Michelin-Reifen mache die Hälfte aus, der Rest verteile sich auf mehrere Komponenten. "Wir wissen genau, was wir tun müssen", kündigte der Brite mit versteinerter Miene Konsequenzen an. "Der einzige Weg ist harte Arbeit." Und: McLaren-Mercedes werde zurückkommen, versicherte Dennis. "Nicht im nächsten Rennen, vielleicht auch nicht beim übernächsten und vielleicht auch danach noch nicht. Aber wer uns abschreibt, ist ein dummer Mensch."
Haug bleibt optimistisch
Kurz und bündig beantwortete Dennis selbst gestellte Fragen: "Sind wir ein Team, das das Siegen verlernt hat? Nein! Haben wir kein siegfähiges Auto? Ja!" Haug beschönigte gleichfalls nichts. "Wir waren einfach zu langsam", gestand er. "Die Bausteine sind bei uns da, aber wir müssen sie richtig zusammensetzen." Von Baustelle oder Krisensitzung wollte der Schwabe nicht sprechen. "Wir haben uns in schwierigen Phasen immer nach vorne gearbeitet", verwies Haug auf vergleichbare Durchhänger in der Vergangenheit. "Wir müssen uns Schritt für Schritt nach vorne arbeiten."
Renault im Nacken
Ob das Entwicklungstempo reicht, die enteilte Konkurrenz in dieser Saison noch einzuholen, erscheint angesichts deren Vorsprung und der eigenen Unzulänglichkeiten unwahrscheinlich. "Ferrari wird wohl noch einige Zeit dominieren", schätzt Dennis die Lage für sein Team wenig rosig ein. Derzeit droht McLaren-Mercedes sogar eher, vom stark aufkommenden Verfolger Renault in der Konstrukteurs-Wertung vom dritten auf den vierten Platz verdrängt zu werden.
Coulthard und Räikkönen desillusioniert
Noch trostloser sieht es für den mit großen Titelhoffnungen gestarteten Coulthard aus. Der Schotte dümpelt in der Fahrer-WM mit fünf Punkten aussichtslos auf Rang sechs herum. Spitzenreiter Schumacher sammelte schon 34 Zähler. "Ich habe das Maximum aus dem Auto heraus geholt, aber mehr war nicht drin", meinte Coulthard fast schon resignierend. Fünf technisch bedingte Ausfälle (zwei Motorschäden, ein kaputtes Getriebe, eine gebrochene Radnabe und jetzt ein gebrochener Auspuff) bei nur drei Zielankünften haben ihn und Räikkönen desillusioniert. Auf McLaren-Testpilot Alexander Wurz, dessen WM-Tip vor dem Saisonstart noch "Coulthard - dafür sprechen Auto, Motor und Reifen" gelautet hatte, wartet also jede Menge Arbeit bei den nächsten Testfahrten.
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