Samstag, 20. April 2002

Entgehen der deutschen Bundesliga 100 Mio. Euro?

  • Letzte Rate der Kirch-Gelder ist nicht gesichert

Die deutsche Fußball-Bundesliga muss offenbar erneut um die letzte Rate aus dem Fernsehvertrag für die laufende Saison in Höhe von 100 Millionen Euro bangen. Nach Angaben des Nachrichten- Magazins "Der Spiegel" ist die zum 15. Mai vereinbarte Zahlung der KirchMedia an die Deutsche Fußball-Liga (DFL) nicht gesichert. Das Magazin beruft sich auf Äußerungen von Michael Jaffe, vorläufiger Insolvenzverwalter der KirchMedia. Danach "kann und will" Jaffe zu etwaigen Zahlungen momentan nichts sagen, "zumal ich selbst weiß, welch ungeheuren Sprengstoff das Thema Bundesliga-Rechte birgt."

Der Insolvenzverwalter will in den kommenden Tagen mit Hilfe der vier Gläubigerbanken einen Massekredit von 100 Millionen Euro aufnehmen. Doch sei das Geld ausschließlich "für das operative Geschäft" vorgesehen, sagte Jaffe. Auch sei noch nicht geklärt, welche Rolle die Bundesliga im Zukunftskonzept für KirchMedia spielen werde. Das Unternehmen, das als Kernstück der Kirch-Gruppe gilt, hatte wegen Zahlungsunfähigkeit am 8. April einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht München gestellt.

Die DFL, die die 36 Proficlubs der 1. und 2. Liga vertritt, hatte nach einer Krisensitzung am 11. April erklärt, die letzte TV-Rate für die Saison 2001/02 sei trotz des Insolvenzantrages des Partners gesichert. "Wir werden kurzfristig keine Liquiditätsprobleme haben", sagte damals DFL-Chef Werner Hackmann. Für die laufende Saison muss KirchMedia laut Vertrag insgesamt 350 Millionen Euro an die DFL zahlen. Die meisten Clubs sind auf die TV-Gelder angewiesen, die in den meisten Fällen mehr als 50 Prozent des Gesamtetats decken.

Für die nächste Saison sind 360 Millionen Euro TV-Gelder vereinbart. Da noch ungeklärt ist, ob die Bundesliga-Rechte bei KirchMedia bleiben oder an die DFL zurückgehen, hat der Insolvenzverwalter dem Profi-Dachverband erlaubt, vorsorglich Verhandlungen mit anderen Interessenten zu führen. Der TV-Sender SAT.1, bisher Erstverwerter der Bundesliga im Free TV, hat bereits seine Ansprüche für die nächste Spielzeit angemeldet.

Allerdings gilt es als unwahrscheinlich, dass der Kirch-Sender SAT.1 den gleichen Betrag wie bisher zahlen kann. Die Free-TV-Rechte kosten rund 125 Millionen Euro. Die restlichen rund 225 Millionen Euro aus dem Gesamttopf von 350 Millionen Euro kommen vom hoch defizitären Pay TV-Sender Premiere, der ebenso wie SAT.1 zur Kirch-Gruppe zählt, aber bisher keine Insolvenz angemeldet hat.

Die TV-Sender ARD, ZDF und RTL haben sich bisher abwartend und zögerlich zu einem möglichen Kauf der Bundesliga-Rechte geäußert. Bei RTL verdichten sich die Anzeichen, dass der Kölner Privatsender in Zukunft ganz auf Fußball-Übertragungen verzichten wird. RTL zeigt zur Zeit die Champions League, schreibt aber mit der "Königsklasse" wirtschaftlich rote Zahlen. Als neuer Interessent für die Bundesliga gilt der Münchner Filmhändler Herbert Kloiber. Er will am 28. April mit einem neuen Fernsehsender "Tele 5" an den Start gehen und plant auch einen Pay TV-Kanal.

20.4.2002 14:21