Montag, 15. April 2002

Die Unbezähmbare Löwen erhielten deutsche Disziplin

  • Schäfer fühlt sich in Kamerun wohl
  • "Vom Präsidenten bis zum Arbeiter, alle lieben den Fußball"

Winfried Schäfer ließ am Dienstag Vormittag bei der Pressekonferenz keine Zweifel darüber aufkommen, wie wohl er sich als Teamchef Kameruns fühlt. "Es macht viel Spaß mit dieser Mannschaft zu arbeiten. Unwahrscheinlich welche Begeisterung in diesem Land für Fußball herrscht", so der Deutsche. Im freundschaftlichen Länderspiel gegen Österreich will Schäfer einige neue Spieler ausprobieren. "Es ist sehr wichtig, dass wir einen Überblick haben, wenn wir die 23 Spieler für die WM nominieren."

Die Aufgabe macht Schäfer Freude, dass war nicht zu überhören: "Ich habe das Angebot bekommen und mich dann zunächst mit Kamerun auseinander gesetzt und viele Infos eingeholt. Bisher habe ich es keine Minute bereut diese Mannschaft zu trainieren, denn sie hat Patriotismus und Courage. Es sind Fußballer, die unheimlich gern für ihr Land spielen." Grundstein seiner Arbeit war Disziplin zu vermitteln: "Inspiration, Athletik und Mut haben nie gefehlt, aber Taktik und Disziplin. Man darf den Spielern ihre Spielfreude nicht nehmen, ich wollte ihnen nur Fehler aufzeigen."

Durch Video-Studium gelernt
Beim Video-Studium hätte die Mannschaft mitdiskutiert und an der Kernfrage mitgearbeitet: "Was kann man machen, um weniger Gegentore zu bekommen?" Den Erfolg dafür gab es beim Afrika-Cup. "Wir haben erreicht, dass die Mannschaft als Team auftritt. Jetzt sind aber Spiele wie gegen Argentinien sehr wichtig, denn die sind anders als gegen Mali, Togo oder Cote d'Ivoire. Das Pressing kannten wir nicht und haben am Anfang Fehler gemacht. Aber es gut für uns, wenn wir lernen."

Ein Team mit Selbstbewusstsein
Der Ex-Trainer des Karlsruher SC (im UEFA-Cup-Semifinale an Salzburg gescheitert) und des VfB Stuttgart (mit Torhüter Franz Wohlfahrt) sieht die Mannschaft vom Denken her gewachsen: "Die Hierarchie steht. Es gibt mit Rigobert Song einen Leader. Patrick M'boma und Marc Vivien Foe sind zwar etwas ruhiger, aber sie haben genau so viel Einfluss auf die Mannschaft. Alle sind sehr selbstbewusst, aber keiner ist arrogant oder überheblich. Wichtig ist, dass wir unser Spiel durchbringen. Ich glaube, wir sind zu einem Team geworden."

Spieler mit Herz
Für den Deutschen zeichnet sich der Fußball in Kamerun durch einen eigenen Stil aus: "Die Spieler freuen sich, wenn sie eingeladen werden und Fußball spielen können. Sie haben Herz. Die Unbezähmbaren Löwen stehen für Courage und Patriotismus. In Kamerun gibt es auch noch Straßenfußball. Die Vorbilder sind mit Spielern wie M'boma, Foe oder Eto'o da. Die Kinder sind nicht mehr zu halten, alle möchten so wie sie sein. Vom Staatspräsidenten bis zum Arbeiter, alle lieben den Fußball."

Fußball als wichtiger Botschafter
Verbands-Direktor Andre Nguidjol Nlend unterstrich dies: "Dank unsere Erfolge kennt die ganze Welt Kamerun. Fußball ist der wichtigste Botschafter unseres Landes an die Welt und ein wichtiges Element der Motivation."

Kader Kamerun:
Tor:
Jacques Song'o (Metz/FRA), Alioum Boukar (Samsunspor/TUR), Carlos Kameni (Le Havre/FRA)

Verteidigung: Geremi (Real Madrid/ESP), Raymond Kalla Nkongo (Extremadura/ESP), Lucien Mettomo (Manchester City/ENG), Rigobert Song (1. FC Köln/GER), Pierre Wome (Bologna/ITA), Bill Tchato (Montpellier/FRA), Joel Epalle (Panahaiki/GRE)

Mittelfeld: Nicolas Alnoudji (Rizespor/TUR), Lauren Etame Mayer (Arsenal/ENG - wegen Wadenverletzng fraglich), Marc Vivien Foe (Lyon/FRA), Salomon Olembe (Marseille/FRA), Eric Djemba (Nantes/FRA), Joseph Ndo (Al Kahaleej/Katar), Daniel Ngom Kome (Numancia/ESP)

Angriff: Samuel Eto'o (Mallorca/ESP), Patrick Mboma (Sunderland/ENG), Pius Ndiefi (Sedan/FRA), Patrick Suffo (Sheffield United/ENG)

15.4.2002 12:43