Montag, 15. April 2002

Real Madrid bangt nach 1:3 bei Osasuna um Titel

  • "Marca": "Wie Rotkäppchen vom Wolf verschlungen"

Das Spiel währte keine fünf Sekunden, da wurde Real Madrids Offensiv-Spieler Santiago Solari schon zum ersten Mal "gefällt". Spätestens von da an wussten die "Königlichen", was ihnen im Meisterschaftsspiel der spanischen Fußball-Liga beim Abstiegskandidaten CA Osasuna bevorstand: Ein Kampf auf Biegen und Brechen gegen einen Gegner, der mit unerbittlicher Härte um sein Überleben in der Primera Division ringt.

Und wie schon bei der 1:2-Hinspielniederlage bei Bayern München im Viertelfinale der Champions League ließen die Real-Stars sich die Schneid abkaufen. Sie verloren am Sonntagabend beim Außenseiter 1:3 (0:2) und mussten die Tabellenführung an Valencia CF abtreten. Die Madrilenen zollten auch der Kraftanstrengung Tribut, die sie der 2:0-Rückspielsieg über die Bayern gekostet hatte.

"Wie Rotkäppchen"
"Dieses Team steckt sofort zurück, wenn der Gegner zur Sache geht. Der bedingungslose Kampf ist nicht die Sache Reals", mussten Zidane und Co. sich vom Sportblatt "Marca" vorhalten lassen. "Die Madrider wurden wie Rotkäppchen vom Wolf verschlungen." Sie setzten sich erst zur Wehr, als sie 0:2 zurücklagen und nach einem Platzverweis von Innenverteidiger Ivan Helguera wegen einer "Notbremse" nur noch zehn Spieler auf dem Feld hatten.

Neben Härte auch fußballerische Finesse
Osasuna wartete aber nicht nur mit Härte auf, sondern hatte auch fußballerische Finesse zu bieten. Fernando (32.) erzielte das 1:0 mit einem Schuss, der so hart war, dass der Ball Real-Torwart Cesar die Hände förmlich die Hände "wegriss". Alfredo (39.), mit 1,65 m einer der kleinsten Profis in Spanien, markierte mit einem eleganten Heber die Vorentscheidung. Nach dem 1:2 durch Morientes (49.) - dem 100. Treffer des Torjägers - hoffte Real auf eine Wende, aber Ivan Rosado (74.) stellte mit einem fulminanten Volleyschuss den Heimsieg für Osasuna sicher.

Herber Rückschlag
"Das 1:3 ist für uns ein herber Rückschlag", räumte Reals Manager Jorge Valdano ein. "Die Meisterschaft entscheidet sich erst am letzten Spieltag." Dann muss Real (62 Punkte) bei Deportivo La Coruna (61) antreten, das ebenfalls noch Titelhoffnungen hegt. Die besten Aussichten hat nun Spitzenreiter FC Valencia (63), der von den vier ausstehenden Spielen drei im heimischen Mestalla-Stadion bestreitet.

Auch die Bayern blieben nicht ungeschoren
Spaniens Sportpresse zog aber nach Reals Niederlage auch hart über den FC Bayern her, der am Mittwoch in Madrid aus der Champions League ausgeschieden war. "Osasuna spielt einen besseren Fußball als die Bayern", meinte etwa "Marca". Das Konkurrenzblatt "As" ging noch einen Schritt weiter: "Wenn Osasuna in der Bundesliga spielte, würde es mit Sicherheit deutscher Meister - und zwar drei Jahre hintereinander."

15.4.2002 12:30