Samstag, 20. April 2002

Papst äußert sich indirekt zu Sexskandalen in US-Kirche

  • Wert des Zölibats bekräftigt

Papst Johannes Paul II. hat sich wenige Tage vor einem Spitzentreffen mit amerikanischen Kardinälen indirekt zu den Sex- und Missbrauchsskandalen geäußert, die derzeit die katholische Kirche in den USA erschüttern. Bei einem Treffen mit nigerianischen Bischöfen bekräftigte er am Samstag in Rom die Forderungen, dass Priester im Zölibat zu leben und jegliche Skandale zu vermeiden hätten.

Direkt erwähnte der Papst die Fälle in den USA nicht, die die Kirche bereits Millionensummen bei gerichtlichen Auseinandersetzungen gekostet und Fragen aufgeworfen haben, ob Bischöfe sich womöglich nicht ausreichend zur Aufklärung von Vorwürfen eingesetzt haben. Um derartige Vorwürfe zu klären, hat Johannes Paul für Dienstag und Mittwoch die 13 US-Kardinäle in den Vatikan zitiert - ein außergewöhnlicher Schritt, der die Dringlichkeit signalisiert, die er dem Problem zumisst.

Obwohl er auf keine Einzelfälle einging, machte der Papst vor den afrikanischen Würdenträgern unmissverständlich seine Grundhaltung klar: dass er kein sexuelles Fehlverhalten zu dulden bereit sei. Von Bischöfen erwarte er, dass sie solchen Vorwürfen nachgingen und Maßnahmen ergriffen, um es zu verhindern.

"Der Wert des Zölibats ist ein vollständiges Geschenk, dass man dem Herrn darbringt und dass die Kirche sorgfältig sicherstellen muss", sagte er. "Verhalten, dass skandalös sein könnte, muss sorgfältig vermieden werden, und Ihr müsst selbst gewissenhaft Vorwürfe derartigen Verhaltens ermitteln und entschlossene Schritte einleiten, um es zu korrigieren - wo immer es auch vorgefunden werden mag."

Es war die ausführlichste Stellungnahme Johannes Pauls zum Zölibat, seit Berichte über sexuelles Fehlverhalten und Misshandlungen von Kindern Anfang des Jahres aus den USA eintrafen. Im vergangenen Monat hatte der Papst in einer vorösterlichen Botschaft den Skandal verurteilt. In dessen Mittelpunkt steht der Bostoner Kardinal Bernard Law. Er hat eingeräumt, einen Priester einfach in eine andere Gemeinde versetzt zu haben, als gegen ihn erste Klagen über sexuelle Misshandlungen von Kindern laut wurden. Der später aus dem Amt entfernte Priester wurde schließlich zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

20.4.2002 20:47