Sind Tunesiens Geheimdienste in Anschlag verwickelt?
- Djerba-Opfer wollen tunesische Regierung verklagen

Die Suche nach möglichen Hintermännern des mutmaßlichen Terroranschlags von Djerba hält die deutschen Sicherheitsbehörden weiter in Atem. Eine Pariser Zeitung soll Informationen haben, wonach Tunesiens Geheimdienste in die Sache verwickelt sind. Durch die Explosion eines Gastankwagens vor der Synagoge am 11. April sind 16 Menschen ums Leben gekommen, darunter elf Deutsche.
Die Explosion vor der Synagoge auf Djerba war nach US-Einschätzungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Anschlag. Regierungsbeamte in Washington bestätigten nach einem Treffen von Außenminister Colin Powell und dem tunesischen Innenminister Habib Ben Yahia, dass eine Verbindung zur terroristischen Szene feststehe. In einer am Samstag verbreiteten Erklärung betonte dagegen der tunesische Botschafter in Washington, Hatem Atallah, es gebe "bis zur Stunde keinerlei definitive Schlussfolgerung". Die Untersuchungen gingen gemeinsam mit deutschen und französischen Behörden weiter.
Der tunesische Tourismusminister Zenaidi forderte: "Wir müssen eine weltweite Strategie zum Schutz von Touristen entwickeln." Zugleich versicherte der Minister in der "Bild am Sonntag", dass die tunesische Regierung zu keinem Zeitpunkt etwas vertuscht habe. "Die ersten Ermittlungsergebnisse ließen auf einen Unfall schließen", sagte Zenaidi. Noch immer seien Fragen offen. "Unsere Vorgehensweise ist viel gründlicher, als die deutschen Medien es darstellen", sagte Zenaidi.
War tunesischer Geheimdienst in Anschlag verwickelt?
Die Pariser Zeitung "Journal du Dimanche" warf dagegen die Frage auf, ob Tunis anfänglich die Anschlagsthese auch deshalb geleugnet habe, weil die eigenen Geheimdienste in die Sache verwickelt gewesen sein könnten. Nach Informationen des Blattes wurden zehn Tage vor der Explosion auf Djerba Islamisten "neutralisiert", die in die Geheimdienste eingeschleust worden waren. Zwölf Personen seien in Sfax und in Zarsis festgenommen worden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf nicht näher genannte Geheimdienstquellen.
Nach wie vor wird bei der Ermittlung in Deutschland die Rolle des möglichen Kontaktmannes in der Gegend von Duisburg und Mülheim an der Ruhr untersucht, der von dem mutmaßlichen Attentäter Nizar Ben Mohammed Nawar kurz vor der Explosion angerufen worden war. Dies bestätigte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke-Katrin Scheuten. Dabei geht es vor allem um weitere direkte Kontaktpersonen. Zu Einzelheiten wollte Scheuten aus ermittlungstaktischen Gründen keine Stellung nehmen
Verbindung der Attentäter zu Hamburger Terrorzelle?
Nach einem Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" sind die Ermittler auf einen weiteren Hinweis für eine Verbindung zwischen den Mülheimer und Duisburger Verdächtigen sowie der so genannten Hamburger Terrorzelle gestoßen. Bei der Durchsuchung der Wohnung jenes Verdächtigen, der von Nawar angerufen worden war, wurde demnach ein Zettel mit Namen und Bankverbindung der Frau des seit fünf Monaten inhaftierten Mounir El Motassadek gefunden. Ihm wirft die Bundesanwaltschaft laut "Spiegel" Unterstützung der Hamburger Attentäter vom 11. September vor.
Djerba-Opfer wollen tunesische Regierung verklagen
Überlebende und Angehörige der Opfer des mutmaßlichen Anschlags auf Djerba wollen die tunesische Regierung klagen. Sie verlangen Schmerzensgeld in Millionenhöhe. Die Anwälte prüfen derzeit die rechtlichen Möglichkeiten. Nach Ansicht des Anwaltes Elmar Giemulla und des ebenfalls beauftragten ehemaligen deutschen Innenministers Gerhard Baum ist die tunesische Regierung hauptverantwortlich für das mutmaßliche Attentat vor der Synagoge auf Djerba. "Ihr ist die Existenz terroristischer Elemente im eigenen Land seit langem bekannt, und zwar auch solcher, die mit Al Kaida zusammenarbeiten", so Giemulla. Zwar unterhalte die Regierung des Landes mit neun Millionen Einwohnern einen Polizeiapparat, der ebenso groß wie die gesamte französische Polizei sei. Dieser wird jedoch nach Ansicht der Juristen nicht hinreichend zum Schutz von Touristen und gefährdeten Einrichtungen eingesetzt.
Giemulla und Baum haben bereits Hinterbliebene des Concorde-Absturzes von Paris mit 113 Toten vertreten und streiten derzeit vor Gericht um Schadenersatz wegen psychischer Spätfolgen für die Opfer bei der Flugschau-Katastrophe von Ramstein im August 1988.
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