Mittwoch, 17. April 2002

NEWS: Chefs des Tierhilfswerks stehen unter Verdacht

  • Staatsanwalt prüft: Wo sind die Millionen?
  • Tierschutzvereine: Die Spenden und wofür sie verwendet werden

Alles für die Katz. Jeden Tag gehen Tausende Euro an "Mitgliedsbeiträgen" an das "Tierhilfswerk", im guten Glauben, etwa verwaisten Hunden in Kiew oder gestran-deten Walen vor Südamerika zu helfen. Was die edlen Spender nicht wissen: Der Staatsanwalt ermittelt wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen schweren Betrugs. Das Gericht prüft, ob die Angaben des „Tierhilfswerks“ über die Verwendung der Mittel stimmen und wie viel Geld tatsächlich in Tierschutzprojekte geflossen ist.

Die Vorerhebungen richten sich vor allem gegen zwei "starke" Männer: Christian J., 52. Er war wie sein früherer "Spezl" Arnold Schwarzenegger einst ein muskel-bepackter Champion. Und Klaus W., 45. Er ließ ebenfalls seinen Bizeps spielen und unterhielt einen noblen Fitnessclub.

Christian J. ist heute Chef des "Tierhilfswerk Austria" – mit 60.000 Mitgliedern und Einnahmen von bis zu vier Millionen Euro pro Jahr. Statt Spenden lässt sich der Verein gefinkelt Mitgliederbeiträge in Form von Daueraufträgen zahlen. Klaus W. betreibt ein Werbeunternehmen mit einem ganzen Heer professionell ausgebildeter Keiler, das dem "Tierhilfswerk Austria" mit teils umstrittenen Methoden bis zu 1.000 neue Mitglieder pro Monat beschert.

Nun prüft das Landesgericht Korneuburg den Verdacht des "schweren gewerbsmäßigen Betruges". Und versucht herauszufinden, ob die Zahlen, die das "Tierhilfswerk" selbst vorlegt, richtig oder getürkt sind. Die Vorerhebungen sollen klären, wie viel Prozent der Mitgliedsbeiträge tatsächlich in Tierschutzprojekte geflossen sind und wie viel in Mitarbeitergehälter, Dienstautos, Mitgliederwerbung oder Reisen geflossen sind.

Dazu kommt, dass sich auch die Fahnder der "Einsatzgruppe zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität" für die Konten des "Tierhilfswerks" interessiert haben. Denn die Bank hatte bemerkt, dass innerhalb von nur drei Monaten rund 300.000 Euro ins Ausland gingen.

Christian J. will in all der Unbill nur eine "Intrige der Konkurrenz" sehen, Klaus W. meint, "das ist doch lächerlich". Tatsache ist, dass der Streit um die Tierschutzmillionen auch hierzulande immer heftiger ausgetragen wird. Um mehr am einträglichen Spendennapf mitnaschen zu können, setzen die meisten Vereine mittlerweile auf die Dienste straff organisierter Keiler. Was die meisten Spender nicht wissen: Bei einem Dauerauftrag gehen im ersten Jahr zumeist rund 90 Prozent der für den Tierschutz bestimmten Spenden an die Keilerfirma.

Mehr über die Praktiken des Tierhilfswerks lesen Sie im aktuellen NEWS

17.4.2002 13:28