Mittwoch, 17. April 2002

Jeder 2. Österreicher fühlt sich "auch als Europäer"

  • Finnen lehnen Europa-Feeling ab
  • Umfragedaten als Diskussionsgrundlage beim EU-Konvent

Haben die Österreicher seit dem EU-Beitritt Identitätsprobleme? Fühlen sie sich als Österreicher oder Europäer? Eine Umfrage sagt: 52% der Österreicher betrachten sich auch als Europäer. Aber 46 Prozent halten eisern an ihrem Österreicher-Feeling fest.

Das enthüllt eine Umfrage laut EU-Kommission eine Ergänzung zu der im Dezember 2001 veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage.

+ 53 Prozent der Unionsbürger (52 Prozent der Österreicher) sehen sich "bis zu einem gewissen Grad als Europäer",
+ 44 Prozent (46 Prozent Österreicher) definieren sich ausschließlich über ihre Nationalität.
+ Sowohl in Österreich als auch im EU-Durchschnitt sehen sich drei Prozent der Befragten ausschließlich als Europäer.

Die veröffentlichten Umfragedaten betreffen unmittelbar mit der Zukunft der Union verbundenen Fragen und sollen als Grundlage für Diskussionen über die Entwicklung und Vertiefung der Europäischen Integration dienen.

Den Finnen ist Europa-Feeling egal
Während Österreich fast durchwegs im Mittelfeld der EU-Staaten zu finden ist, fallen andere Länder bei der Identitätsfrage relativ deutlich aus dem Rahmen:
+ In Luxemburg wollen nur noch 22 Prozent der Befragten ausschließlich Luxemburger, gleichzeitig aber 15 Prozent ausschließlich Europäer sein.
+ Die größten ausschließlichen "Nationalisten" sind die Briten, die zu 71 Prozent nur Briten sein wollen.
+ Die wenigsten "ausschließlichen Europäer" sitzen in der Sauna: In Finnland will bloß ein Prozent der Befragten nur noch Europäer sein.

Zur Art und Weise befragt, in der die Entscheidungen in der Union nach der Erweiterung getroffen werden sollten, sprechen sich 46 Prozent der Befragten auf Unionsebene für eine Mehrheitsbeschlussfassung (Österreich: 39 Prozent) und 39 Prozent für die Beibehaltung der Einstimmigkeit (Österreich: 47 Prozent) aus. Hier gehört Österreich im EU-Schnitt also zu jenen Ländern, wo man sich mehrheitlich wünscht, EU-Entscheidungen notfalls blockieren zu können. Die heftigsten Verfechter des Einstimmigkeitsprinzips sind nach der Umfrage die Griechen, wo sogar 63 Prozent für einstimmige Beschlüsse der Union plädieren. In Bezug auf die Reform der Union sprechen sich 67 Prozent der Unionsbürger für eine Verfassung der EU (Österreich: 64 Prozent) aus, während nur zehn Prozent (Österreich: ebenfalls zehn Prozent) diesen Gedanken ablehnen.

Die EU-Kommission weist ausdrücklich darauf hin, dass die Daten zu den Umfrage-Ergebnissen im Oktober und November 2001, also nach den Terroranschlägen am 11. September in den USA, und somit in einem "von einer gewissen Unruhe gezeichneten Kontext" gesammelt wurden. Die Kommission verweist auch darauf, dass die Daten die Stimmung vor Einführung der Euromünzen und -banknoten reflektieren.

17.4.2002 09:38