Dienstag, 16. April 2002

Sofiensäle: Erhaltene Teile bleiben unter Schutz

  • DURCHKLICKEN: Die Bilder von der Brandruine

Die noch erhaltenen Teile der Wiener Sofiensäle bleiben unter Denkmalschutz. Das hat der Präsident des Bundesdenkmalamtes (BDA), Wilhelm Georg Rizzi, am Dienstag in einer Pressekonferenz verkündet. Es sind dies der große Saal, das Foyer sowie die Fassade. Bühnenhaus und Decke bzw. Dachkonstruktion sind bei dem Brand im vergangenen August hingegen vernichtet worden. Der Eigentümer Sofiensäle AG will Berufung einlegen.

Einen Wiederaufbau des historischen Veranstaltungsortes kann das BDA vorerst nicht verfügen, betonte Rizzi.

Es gebe keine rechtliche Handhabe, falls sich der Eigentümer Sofiensäle AG entscheide, eine Ruine stehen zu lassen. Die Behörde kann laut Rizzi in diesem Fall lediglich darauf drängen, dass Erhaltungsmaßnahmen - wie etwa geeignete Schutzdächer oder statische Absicherungen - gesetzt werden. "Aber natürlich sind wir der guten Hoffnung, dass sich der Wunsch zur Wiederherstellung des großen Sofiensaals durchsetzen wird."

Sofiensäle-Eigner will berufen
Der Eigentümer der Wiener Sofiensäle, die Sofiensäle AG, wird gegen die Entscheidung des Bundesdenkmalamtes (BDA) berufen, wonach die erhalten gebliebenen Teile weiter geschützt bleiben. Das hat Eigentümer-Sprecher Karl Pistotnik gegenüber der APA angekündigt. Er zeigte sich verwundert über das Vorgehen der Behörde: "Da will man, dass eine Ruine erhalten bleibt. Das muss man sich ja auf der Zunge zergehen lassen."

Denkmalsamts-Bescheid: Keine Einwände gegen Modernisierung
Der betreffende Bescheid ist nach Angaben des Präsidenten des Bundesdenkmalamtes, Wilhelm Georg Rizzi, gestern, Montag, den Eigentümern zugestellt worden. Darin sei festgehalten worden, dass die erhalten gebliebene Substanz der Sofiensäle grundsätzlich "reparaturfähig" ist.

Eines stellte Rizzi heute klar: Sollten die verlorenen Teile in moderner Form wieder errichtet werden, hätte das Denkmalamt nichts dagegen einzuwenden - und auch nichts gegen ein geplantes Hotelprojekt mit integriertem Festsaal.

Die Wiener Landeskonservatorin Eva-Maria Höhle präzisierte bei der Pressekonferenz die Gründe für die Entscheidung, den Denkmalschutz über die erhaltenen Teile zu belassen. Demnach vermitteln diese sehr authentisch das Erscheinungsbild der Ausstattungsphase um 1870. Über die künstlerische Bedeutung hinaus sei das öffentliche Interesse der Erhaltung wesentlich mit der kulturellen und historischen Bedeutung begründet: Werke von Johann Strauß und Arthur Schnitzler seien dort uraufgeführt worden.

Auch Ruine kann Denkmal sein
"Auch eine Ruine kann ein Denkmal sein", betonte Höhle. Denn die Kriterien für den Denkmalschutz würden auch dann aufrecht bleiben, wenn das Erscheinungsbild des Ortes "einem gewissen Wandel" unterliegt, wie es im Gesetzestext heiße. Bereits zum Zeitpunkt der Unterschutzstellung im Jahr 1986 sind demnach bereits manche Bereiche des Gebäudes nicht mehr historisch gewesen. An der Bedeutung der Sofiensäle habe das jedoch nichts geändert.

16.4.2002 10:55