Van der Bellen sieht Uni-Reform "verhunzt"
- Aktionstag an den österreichischen Universitäten
- Motto: "24 Stunden unter dem Zeichen des UG"
·Uni-Noten adé
Statt "1-5" künftig Buchstaben "A-F"
Geteilte Meinungen prallten zum neuen Unigesetz-Entwurf im Nationalrat aufeinander. Der Grüne Bundessprecher Van der Bellen nannte die Uni-Reform Stunde "verhunzt". Für Unterrichtsministerin Gehrer ist der Entwurf eine Meilenstein. Am 19. April endet die Begutachtungsfrist für das neue Universitätsgesetz. Für Studenten Grund genug einen Aktionstag einzurichten. Unter dem Motto "24 Stunden im Zeichen des UG" protestieren Studenten und Uni-Lehrer heute gegen den Entwurf eines neuen Universitätsgesetzes.
Zwar billige Van der Bellen die Grundmotive der Reform "mit glühendem Herzen", allerdings seien sie durch die konkreten Vorschläge entstellt. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) verteidigte ihren Entwurf hingegen als "Meilenstein", man schaffe schlanke Strukturen, wo "Entscheidungs- und Verantwortungskompetenz zusammengeführt werden".
Die Wahl des Wortes "verhunzt" verteidigte Van der Bellen mit dem Hinweis auf Österreichisches Wörterbuch, Duden sowie die deutschen Klassiker. So werde im Österreichischen Wörterbuch "verhunzen" mit den Begriffen "entstellen" und "verdorben" beschrieben. Das treffe auch für die Uni-Reform zu. Die Autonomie werde "entstellt bis zur Verdorbenheit". Van der Bellens Verweise auf die oft derbe Ausdrucksweise in der Literatur quittierte Nationalratspräsident Heinz Fischer (S) folgendermaßen: "Nicht jedes Zitat von Goethe und Schiller ist in diesem Haus erlaubt."
Gehrer: "Meilenstein in der Geschichte der Unis"
Für Elisabeth Gehrer stellt der Entwurf einen "Meilenstein in der Geschichte der Unis" dar. Erstmals gebe es bei einer Ausgliederung kein gedeckeltes, sondern ein dynamisches Budget, mit dem zusätzlich entstehende Kosten abgedeckt würden. Die Mitbestimmung gebe es aber nicht mehr in der bisherigen "überholten" Form - "dazu stehen wir auch".
Die Studenten würden künftig aber ganz stark bei der Qualität der Lehre, bei der Verteilung der Studienbeiträge und bei der Erstellung der Studienpläne mitwirken, versicherte Gehrer. In einem Gespräch mit dem "Standard" (Mittwoch-Ausgabe) hatte sie bereits Maßnahmen für eine stärkere Mitwirkung der Studenten angekündigt: So solle etwa die Beurteilung der Professoren verbindlich sein und auf Homepages veröffentlicht werden. Evaluationen von Lehrveranstaltungen würden außerdem nicht mehr folgenlos bleiben: Neben der Veröffentlichung stünden auch Sanktionen bis zum Entzug einer Lehrveranstaltung zur Verfügung. Weiters will Gehrer den Studenten die Möglichkeit der Zweckwidmung ihrer Studiengebühren geben. Auf ihrem Erlagschein könnte demnach von vier vorgegebenen Feldern eines angekreuzt werden. Welche das sind, soll der Senat festlegen. Als Beispiele nannte Gehrer etwa "mehr Lektoren" oder "mehr Computer".
Uni-Aktionstag soll informieren und mobilisieren
Primär dient der Aktionstag der internen Mobilisierung und der Information über das geplante UG. Lehrveranstaltungen werden dem neuen Universitätsgesetz gewidmet sein, bei Hörsaal-Touren der Studentenvertreter soll auf die erwarteten Auswirkungen des neuen Organisationsrechts hingewiesen werden.
Dramolett mit Kasperlfiguren vor der Uni Wien
Vor der Uni Wien bzw. vor vielen Instituten wollen die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH), Studienrichtungsvertretungen sowie einzelne ÖH-Fraktionen mit Infoständen die Studenten für das Thema Uni-Reform interessieren. In einigen Hörsälen finden auch Diskussionsveranstaltungen statt. Außerdem stehen unter anderem eine Hörerversammlung im Audimax (ab 18.00 Uhr), die stündliche Aufführung eines Dramoletts über die Uni-Reform mit Kasperlfiguren sowie eine Lesung mit Milo Dor auf dem Programm.
Salzburg: Unterschriften für Gehrer-Rücktritt
An der Uni Salzburg wollen die Studentenvertreter ebenfalls mit Infotischen, Hörsaaltouren und dem Aushang von Passagen des Uni-Gesetzes auf ihre Anliegen aufmerksam machen. Außerdem werden seit Montag Unterschriften für den Rücktritt Gehrers gesammelt.
Innsbruck: Uni-Vorplatz wird zum Friedhof
In Innsbruck beschießen mit Gehrer-Masken ausgestattete Studenten symbolisch auf Karton gezeichnete Fakultäten und Studierende. Außerdem wird der Vorplatz der Geisteswissenschaftlichen Fakultät zum Friedhof umfunktioniert, wo freie Forschung und Lehre sowie der freie Hochschulzugang bestattet werden sollen. "Trauergäste" können sich in ein Kondolenzbuch eintragen.
Linz: ÖH-Räume werden schwarz verhüllt
An der Kunstuniversität Linz wiederum werden die ÖH-Räumlichkeiten schwarz verhüllt und die Homepage ebenfalls schwarz gestaltet.
Familiendrama in St. Pölten16:26
Bluttat: Tochter Zeuge?Vater schoss auf Sohn und richtete sich selbst. Waffenbesitz des 37-Jährigen illegal
Kriminalität20:48
Acht Jahre lang Sklavin19-jährige Deutsche wurde jahrelang misshandelt. Mutmaßliche Täter verhaftet.
Raubvögel vergiftet11:09
Falken ausgerottetBregenz: Taubenzüchter vergiftet gesamte Population am Pfänderstock
