Sonntag, 14. April 2002

Im 1-Liter-Auto zu letzter Hauptversammlung

  • Stabwechsel von Piech zu Pischetsrieder
  • Um 6,8 Prozent weniger Autos ausgeliefert

Der neue Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder muss gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit einem kräftigen Absatzeinbruch fertig werden: Im ersten Quartal 2002 sank die Zahl der Auslieferungen gegenüber den Vorjahreszeitraum um 6,8 Prozent, wie Pischetsrieder am Dienstag auf der Hauptversammlung mitteilte. Besonders hart erwischte es die Hauptmarke VW, die um neun Prozent auf 817.000 Stück einbrach. Audi lieferte dagegen 0,3 Prozent mehr aus. VW-Nutzfahrzeuge brachten 8,8 Prozent weniger Fahrzeuge auf die Straßen.

"Trotzdem ist der weitere Ausblick besser, als das erste Quartal vermuten lässt", sagte Pischetsrieder, dessen Amtszeit offiziell morgen, Mittwoch, beginnt. Pischetsrieder geht davon aus, dass in den Automärkten von Europa und den USA erst in der zweiten Jahreshälfte ein Wachstum zu erreichen sein wird. Vor allem der deutsche Markt sei "sehr schwach". Volkswagen habe aber seine Marktposition behauptet.

Drei neue Modelle
Pischetsrieder begründete seine Zuversicht unter anderem mit neuen Modellen wie dem Polo und dem Seat Ibiza oder dem Audi A4 Cabrio. Außerdem kündigte er drei neue Modelle für die nächsten Monate an: den Van auf Golf-Basis, den Sport-Geländewagen Touareg und das New Beetle Cabrio. Außerdem verwies er auf ein neues Produktionsmodell, bei dem der Wechsel von einem Modell zum anderen billiger und schneller möglich sein soll.

Piech geht in den Aufsichtsrat
Auf der Hauptversammlung stand auch der Wechsel von Konzernchef Ferdinand Piech in den Aufsichtsrat an. Einen Tag vor seinem 65. Geburtstag ist der bisherige VW-Chef Ferdinand Piech wie erwartet zum Vorsitzenden des VW-Aufsichtsrats gewählt worden. Er tritt die Nachfolge von Klaus Liesen an, der fast 15 Jahre an der Spitze des 20-köpfigen Gremiums gestanden hatte. Der 71-jährige Liesen gehört dem Gremium aber weiter an. Als stellvertretender Vorsitzender wurde der IG Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel einstimmig gewählt.

Der Neue: Pischetsrieder
Nachfolger Piechs als Vorstandschef wird der 54 Jahre alte frühere BMW-Vorstandschef Pischetsrieder, den der Aufsichtsrat bereits im September 2001 benannt hatte. Aufsichtsratschef Klaus Liesen dankte Piech für seine Arbeit an der Konzernspitze und sprach vom "Ende einer Ära". Piech habe die Fähigkeit gezeigt, "einen ganzen Wirtschaftszweig positiv zu beeinflussen". Die Aktionäre spendeten Piech minutenlangen Applaus. Auch in der Aussprache lobten viele Aktionäre die Arbeit des Österreichers.

Piech hatte den Autokonzern seit 1993 geführt. In seiner Rede erinnerte er an die turbulenten Zeiten Anfang der 90er Jahre, als die Konzerntochter Seat in einer "schweren Krise" steckte und "eine überalterte Modellpalette" zu tiefroten Zahlen im Konzern führte. Piech bat darum, seinen Nachfolger, "den von mir hoch geschätzten Herrn Dr. Pischetsrieder" zu unterstützen.

Für das vergangene Jahr hatte Piech ein Rekordergebnis von 88,5 Mrd. Euro Umsatz und 4,4 Mrd. Euro Gewinn vor Steuern eingefahren. Das Nachsteuerergebnis stieg um zwölf Prozent auf 2,9 Mrd. Euro.

14.4.2002 13:37