Samstag, 13. April 2002

Ölpreis fiel nach Machtwechsel in Venezuela

  • Nahost-Konflikt bremst Preisverfall

Der Rücktritt des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez hat am Freitag zu einem Einbruch der Ölpreise geführt. Mit dem Machtwechsel sind nach Einschätzung von Händlern die zuletzt wegen Streiks unterbrochenen Öllieferungen des viertgrößten Öl-Exporteurs der Welt wieder gesichert. Die andauernden Spannungen im Nahen Osten bremsten allerdings etwas den Preisrückgang.

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der marktführenden Nordsee-Ölsorte Brent zur Lieferung im Mai sank bis zum Handelsschluss in London um 0,75 Dollar auf 24,40 Dollar. Bei Lieferung im Juni kostete Brent nur noch 23,31 Dollar, 1,44 Dollar weniger als am Vortag. In New York fiel der Preis für den führenden US-Ölkontrakt mehr als eineinhalb Dollar auf 23,31 Dollar.

In dem lateinamerikanischen Land hatte die Bevölkerung in den vergangenen Wochen zunehmend wegen der Politik ihres Präsidenten gestreikt. So hatten die Beschäftigten der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft PDVSA die Arbeit niedergelegt, da Chavez ihrer Ansicht nach Vorstände wegen politischer Loyalität und nicht ihrer beruflichen Qualifikation in die PDVSA-Chefetage berufen hatte. Beschäftigte kehrten am Freitag bereits wieder an ihre Arbeitsplätze zurück. Ab Montag soll die Ölförderung wieder normal laufen.

Nach Einschätzung des PDVSA Verkaufschefs Edgar Paredes soll der Konzern seine Ölförderung nach den Marktbedingungen und nicht nach OPEC-Förderquoten ausrichten. "Lassen sie uns nicht über Quoten reden. Lassen sie uns über die Möglichkeiten Venezuelas im Ölgeschäft sprechen", sagte Paredes am Freitag. "Wenn wir die Ressourcen haben und wenn der Markt uns Möglichkeiten eröffnet, sollten wir sie nutzen." Vor mehreren Jahren hatte Venezuela mehrfach OPEC-Quoten unterlaufen, bis die Regierung Chavez dies beendet hatte. Nach Einschätzung von Ölanalyst Paul Horsnell von J.P. Morgan hat Venezuela derzeit aber keine großen Kapazitätsreserven, so dass es die Öl-Förderung nicht wesentlich erhöhen könnte.

"Die Nachricht, dass die Ölarbeiter wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren hat zu einer Entspannung geführt", erklärte ein Händler. Da die Preise nun aber schon zurückgegangen seien und im Nahen Osten die Spannungen noch weiter andauerten, hätten die Preise nicht allzu viel Spielraum nach unten.

Ölpreis stieg nach Israels Vorgehen gegen Palästineser
Auch im Zuge eines vorerst einmonatigen Öl-Lieferstopps des Irak aus Protest gegen das Vorgehen Israels in den Palästinenser-Gebieten, war der Ölpreis zeitweise kräftig gestiegen. Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien hatte allerdings angekündigt, die Lieferausfälle des Irak auffangen zu wollen. Investoren hatten darauf Händlern zufolge Gewinne aus dem jüngsten Ölpreisanstieg mitgenommen. Bereits im Vorfeld der irakischen Entscheidung hatte der Ölpreis ein Sechsmonatshoch von rund 28 Dollar erreicht.

13.4.2002 11:51