Kleinfirmen verzichten oft auf öffentliche Beratung
- Österreichs Firmen besser informiert als EU-Schnitt

Kleinst- und Kleinbetriebe in Europa und Norwegen lassen sich nur selten von öffentlichen Stellen beraten. Nur 20 Prozent von ihnen wenden sich bei Fragen und Problemen an Experten. Österreich liege hier im Mittelfeld, so das Ergebnis einer Studie des Österreichischen Instituts für Gewerbe- und Handelsforschung (IfGH).
Nachhofbedarf besteht vor allem in der Werbung. Viele Betriebe sind nicht im Bilde, welche Förder- und Beratungsprogramme existieren.
Zusammen mit Partnereinrichtungen in der EU und Norwegen hatte das IfGH europaweit 1.200 Kleinst- und Kleinbetriebe befragt, wie sie die bestehenden Förder- und Beratungsprogramme einschätzen. Durch die Umfrage, die die Europäischen Kommission in Auftrag gegeben hatte, sollen bedarfsgerechte Beratungsdienste für Firmen mit bis zu 49 Mitarbeitern - so genannte Kleinst- und Kleinbetriebe - entwickelt werden. Damit will die EU das Potenzial der Kleinen, die über 50 Prozent der Arbeitsplätze in der EU stellen, stärker fördern.
Informations-Manko ist Hauptgrund
Defizite der aktuellen Förder- und Beratungspolitik liegen laut Studie vor allem darin, dass sich die Firmen nicht auskennen. Mehr als 75 Prozent wüssten überhaupt nicht Bescheid oder seien nur lückenhaft informiert. Der Informationsmangel ist laut Studie um so größer, je weniger Mitarbeiter in einem Unternehmen arbeiten. Nur 20 Prozent der Ein-Mann-Betriebe seien im Bilde.
Musterschüler Österreich
Österreich sei hier ein Ausreißer nach oben. Mehr heimische Firmen als der EU-Durchschnitt seien informiert. Und auch das Potenzial für künftige Programme schätzte das IfGH hier zu Lande größer ein. Rund 40 Prozent der Betriebe, die bisher ohne Expertenhilfe wirtschaften, hätten Interesse angemeldet, heißt es in der Studie.
Werden externe Dienste wahr genommen, dann vor allem von Frauen. Während 27 Prozent der weiblichen Chefs in der EU und Norwegen in den vergangenen fünf Jahren den Weg zum Experten einschlugen, ließen sich nur 17 Prozent der männlichen Kollegen beraten. Vorreiter seien wachstumsorientierte, gut ausgebildete Managerinnen.

