Donnerstag, 11. April 2002

Wifo und IHS: Konjunktur erholt sich zügig

  • Reales Wirtschaftswachstum bei 2,5 Prozent erwartet
  • Nulldefizit oder Steuerreform; keine Erholung am Arbeitsmarkt

Von einer zügigen Erholung der österreichischen Konjunktur gehen die beiden heimischen Wirtschaftsforschungsinstitute im heurigen Jahr aus. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) erwartet gegen Jahresende 2002 eine Steigerung des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,5 Prozent, mit Quartalsraten um 0,5 bis 0,75 Prozent.

Der schwache Jahresbeginn werde die jährliche Wachstumsrate 2002 aber auf 1,2 Prozent drücken, was nur knapp über den 1,0 Prozent von 2001 wäre. Das Institut für Höhere Studien (IHS) setzt das österreichische Jahreswachstum 2002 mit 1,7 Prozent an. Für 2003 gehen die Institute von einem realen Wachstum von 2,8 Prozent (Wifo) bzw. 2,5 Prozent (IHS) aus, was etwa der Prognose für Deutschland (2,5 Prozent) entsprechen und leicht unter der Wachstumserwartung für den EU- und Euroraum (je 2,9 Prozent) liegen würde.

Staatshaushalt nahe an der Null
Der 2001 erstmals seit 1974 ausgeglichene Staatshaushalt könnte auch heuer und 2003 nahe der Null-Marke gehalten werden, so das Wifo. Heuer werde ein gesamtstaatliches "Nulldefizit" durch die Folgen der Konjunkturschwäche erschwert. Da 2003 eine Reihe budgetärer Sondereinnahmen wegfallen werden, gebe es kaum Spielraum für eine Steuerreform, ohne den Pfad des Nulldefizits zu verlassen, schreibt das Wifo in seinem Konjunkturbericht. Auch das IHS erwartet für 2002 und 2003 ein "Nulldefizit" und sieht für eine Steuerreform 2003 aus budgetärer Sicht "nur einen geringen Spielraum".

Keine Wende auf dem Arbeitsmarkt
Auf dem Arbeitsmarkt beobachtet das Wifo keine Wende. Im Jahresdurchschnitt 2002 werde die Arbeitslosenquote (nach österreichischer Berechnungsmethode) von 6,1 auf 6,7 Prozent steigen. Das IHS erwartet heuer 6,5 Prozent bei einem Anstieg der vorgemerkten Arbeitslosen um 15.000 (2001: 9.500) Personen. Erst 2003 sei mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit (je nach Institut um 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte) und einer deutlichen Ausweitung der Beschäftigung zu rechnen.

1,7 Prozent Inflation zu erwarten
Die Inflationsprognose hebt das Wifo leicht auf 1,7 Prozent für heuer an, da die Rohölpreise über den Erwartungen liegen. Gegenüber 2001 (2,7 Prozent) ergibt sich eine Inflationsentlastung bei Nahrungsmittelpreisen (BSE-Krise) und den im Vorjahr erhöhten Steuern und Gebühren (Autobahnvignette, Kfz-Steuer, Studium), da die heurige Inflationsrate ja bereits auf Basis des hohen Niveaus des Vorjahres berechnet wird.

Die Prognosen bauen auf einer Konjunkturerholung in den USA und in Europa, darunter auch in Deutschland, auf. Die größte Unsicherheit liege derzeit in den politischen Turbulenzen im Nahen Osten, die den Erdölpreis hoch halten bzw. noch weiter in die Höhe treiben könnten.

11.4.2002 13:20