Donnerstag, 11. April 2002

Karl-Heinz Grasser will Staatsholding ÖIAG auflösen!

  • AK und ÖGB protestieren scharf
  • FORMAT: ÖIAG will mit Telekom neu an die Börse

Die ÖIAG ist entschlossen, die weitere Privatisierung der Telekom Austria über ein so genanntes Secondary offering an der Börse durchzuführen. ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis bestätigt das in einem Interview für die aktuelle Ausgabe des Nachrichtenmagazins FORMAT. Gleichzeitig ein Paukenschlag aus dem Finanzministerium: Karl-Heinz Grasser will die Auflösung der ÖIAG in der nächsten Legislaturperiode, worüber deren Betriebsräte toben!

Finanzminister Grasser redete heute einer Auflösung der Staatsholding das Wort. Und zwar schon in der nächsten Legislaturperiode. Hintergrund: Er will langfristig die Abgabenquote auf 40 Prozent absenken - bis 2010.

Strikt gegen die Auflösung der ÖIAG sprechen sich ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch und die Arbeiterkammer (AK) aus. Diese Ankündigung Grassers erfolge offensichtlich aus rein ideologischen Gründen, kritisiert die AK. Der AK gehe es darum, die Konzernzentralen von bedeutenden Unternehmen in Österreich zu halten, um die inländische Wertschöpfung und Beschäftigung bestmöglich zu sichern.

ÖIAG-Betriebsräte toben
Massiver Widerstand kam auch von den ÖIAG-Betriebsräten. Dagegen gebe es ein einfaches Mittel: "Grasser, Prinzhorn und Kommilitonen dürfen in der nächsten Legislaturperiode keine politische Rolle mehr spielen", forderte der Vize-Vorsitzende der ARGE-ÖIAG-Betriebsräte, Leopold Abraham.

Nun sei es heraußen: "Das ganze ÖIAG-Gesetz 2000 mit seinem Auftrag, auch Beteiligungsmanagement zu machen, hat in Wahrheit nur einem Ziel gegolten: Der totalen Verscherbelung von Volksvermögen," stellte Abraham in einer Gewerkschaftsmitteilung fest. "Wir haben es zwar immer vermutet, aber wann immer wir die Regierungskoalition gefragt haben: es wurde bisher bestritten." Eine ÖIAG-Auflösung, so Abraham, "geht natürlich nur dann, wenn auch die letzte Beteiligung an unseren hoch profitablen Industrieunternehmen und wichtigen Dienstleistungsbetrieben an den Mann gebracht worden ist - wahrscheinlich vor allem an ausländische Eigentümer, wie im Fall Semperit."

Zweiter Börsegang der Telekom
Der ÖIAG-Vorstand: "Es stimmt, dass ein Secondary offering höchste Priorität hat. Das wäre eine gute Lösung. Wir arbeiten darauf hin, denken aber auch in Alternativen."

Die viel diskutierte Variante, die Telekom an Finanzinvestoren zu verkaufen, ist vom Tisch. Michaelis gegenüber FORMAT: "Je besser die Unternehmensdaten der Telekom Austria werden, desto weniger interessant ist es für Finanzinvestoren, weil der Preis steigt. Außerdem können die auch nur die Ärmeln aufkrempeln, in die Firmen gehen und Strukturen ändern. Das kann die ÖIAG genauso gut."

Die ganze Story über den 2. Börsegang der Telekom Austria lesen Sie in der neuen Ausgabe des Nachrichtenmagazins FORMAT.

11.4.2002 12:25