Mittwoch, 10. April 2002

Handels-Umfrage: 62% würden Sonntag aufsperren

  • Derzeit aber erst 44% der Großbetriebe dafür

Pragmatisch gehen die großen und mittleren Handelunternehmen das politische Reizthema Sonntagsöffnung an. Zwar ist die Mehrheit noch dagegen - würde der Sonntag aber gesetzlich frei gegeben, wollen 62,5 Prozent davon Gebrauch machen. Fast zwei Drittel würden auch alle ihre Standorte aufsperren.

Bisher gibt es unter den rund 300 Mitgliedsbetrieben des freien Handelsverbandes mit rund 150.000 Beschäftigten und etwa 16 Mrd. Euro Umsatz keine Mehrheit für eine Sonntagsöffnung: Erst 44 Prozent befürworten in einer Umfrage des Handelsverbands (April 2002) prinzipiell das Offenhalten der Geschäfte am Sonntag.

Ost-Konkurrenz
Der wachsenden Wochenend-Konkurrenz von großen Handelshäusern jenseits der Ostgrenzen sind sich die heimischen Händler sehr wohl bewusst, was die Antworten zu einem wünschenswerten Zeitpunkt für die Liberalisierung mit Sonntagsöffnung in Österreich beweisen: Für eine Mehrheit von 53 Prozent sollte es "spätestens zur EU-Osterweiterung (ab 2004)" zu einer solchen Liberalisierung kommen, 27 Prozent würden sich dies "zum nächstmöglichen Zeitpunkt" und weitere 20 Prozent innerhalb eines Jahres wünschen.

Erst Samstag besser regeln
"Der Handel wird sich dem Trend nicht versperren können, sollten in den EU-Beitrittsländern die Geschäfte offen halten", betont der neu gewählte Präsident des Handelsverbands, C&A-Chef Ferdinand Brenninkmeijer am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Bis zu einem solchen Schritt gebe es aber noch jede Menge unerledigte Arbeiten, wie etwa eine flexiblere Regelung der Samstagsarbeit.

Uneingeschränkt befürworten die großen Handelsunternehmen dagegen die diskutierte Ausweitung der wöchentlichen Öffnungszeiten von derzeit 66 auf 72 Stunden. "Wir müssen derzeit in der Früh um 7 Uhr 36 aufsperren, sonst geht es sich mit den 66 Stunden nicht aus", kritisiert Baumax-Chef und Verbandsvize Martin Essl, und urgiert die Umsetzung der im Regierungsübereinkommen festgeschriebenen Punkte. Eine Ausweitung der Rahmenöffnungszeiten, etwa am Abend, sei nicht der entscheidende Punkt. Grundsätzlich gelte jedoch "je flexibler, desto besser".

Laut Umfrage sind 36,3 Prozent der großen und mittleren Handelsbetriebe für eine völlige Freigabe der Öffnungszeiten, 27,3 Prozent für die Festsetzung eines neuen Zeitrahmens. Derzeit dürfen die Geschäfte in Österreich von Montag bis Freitag von 6 bis 19:30 und Samstag von 6 bis 17 Uhr maximal 66 Stunden offen halten.

10.4.2002 12:44