Mittwoch, 10. April 2002

Immer mehr Online-Angebote werden kostenpflichtig

  • Spezialisierter Content zunehmend nur gegen Gebühren
  • Sogar E-Mail-Anbieter wollen Cash von den Usern

Kostenlos im Internet: Tausende von Zeitungen und Radiosendern, Fernsehstationen und Magazinen. Abgesehen von den üblichen Telefon- und Onlinegebühren natürlich. Ähnlich günstig ist für Millionen von Internet-Nutzern auch nach wie vor ein Service wie das Versenden von E-Mails. Aber viele Anbieter wollen nun aus ihren Angeboten Kapital schlagen.

Besonders dringend wurde die Suche nach dem Profit, seitdem die Werbeeinnahmen der Websites sinken. Not macht erfinderisch: Im Internet wächst die Zahl der Sites, die mit kostenlosen Angeboten bekannt wurden und nun auf Gewinnkurs gehen wollen - und das, obwohl Umfragen unter Usern regelmäßig zeigen, dass nur eine verschwindend kleine Minderheit bereit ist, für Online-Content zu zahlen.

Videos nur gegen Gebühr
Nachrichtensender CNN überrascht seine Online-Fans neuerdings mit der Mitteilung, dass die Video-Bibliothek nur noch Abonnenten offen steht - also monatlichen Zahlern. So geht auch der US-Fernsehsender ABC vor, dessen Videoclips genau wie auch das CNN-Material nur im Abo-Service RealOne Superpass von RealNetworks zu empfangen sind, zum Monatspreis von zehn Dollar (11,4 Euro).

Text bleibt gratis
Immer noch kostenlos ist bei CNN, ABC und vielen anderen Online-Anbietern mit kostenpflichtigen Programmelementen das Textangebot. Und das soll auch so bleiben, denn die Websurfer sollen schließlich nicht verprellt werden.

Kostenpflichtige Zusatzangebote
Einnahmen verspricht man sich mit Zusatzangeboten, dem Videoarchiv bei Fernsehsendern also, und dem umfassenden Textarchiv bei Zeitungen und Magazinen. Aber für den Zugang zum Grundangebot der Medien-Websites soll zumindest vorläufig keine Gebühr erhoben werden, darin war man sich in New York einig: "Wir werden dies so bald nicht tun", versprach Donald Graham vom Vorstand der Tageszeitung "Washington Post".

Damit bleibt die Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" (WSJ) mit ihrem grundsätzlich kostenpflichtigen Programm die Ausnahme. "Es wird immer kostenlosen Wettbewerb bei den Nachrichten geben", sagt Neil Budde, der Herausgeber der "WSJ"-Onlineausgabe.

Zahlen für E-Mail und SMS
Nicht nur die Medienanbieter nutzen nun zunehmend ihr Grundangebot als Lockvogel für Nutzer, denen dann gebührenpflichtige Extras angeboten werden. Der Umstieg zum Mischmodell aus kostenlosen und kostenpflichtigen Elementen findet auch bei Anbietern statt, die mit völlig gebührenfreiem Service ungeheuer populär wurden. 110 Millionen registrierte Nutzer hat der von Microsoft angebotene E-Mail-Dienst Hotmail, der nun für ein erweitertes Angebot 20 Dollar pro Jahr verlangt. Für diese Summe gibt es einen Speicherplatz von 10 Megabyte (MB), nur 2 MB erhalten Nutzer, die nach wie vor Hotmail ausschließlich als kostenlosen Service nutzen wollen.

Auch SMS-Anbieter im Internet erfreuten sich lange unglaublicher Beliebtheit. Nun verlangen immer mehr von ihnen - bisher niedrige - Gebühren für die Nutzung ihres Dienstes. Sie bleiben mit Summen um 2 bis 4 Euro für Hunderte SMS pro Monat zwar weit unter den Kosten von klassischen SMS vom Handy aus. Aber es stellt sich die Frage, wie es danach weiter geht.

E-Mail-Weiterleitung und Webspace kostet
Beim Hotmail-Konkurrenten Yahoo ist das E-Mail-Konto nach wie vor grundsätzlich kostenlos. Aber auch dort sind neuerdings kostenpflichtige Service-Erweiterungen im Angebot. Für die automatische Weiterleitung von E-Mail aus dem dem Yahoo-Postfach in die Postfächer anderer Anbieter müssen Yahoo-Nutzer 20 Dollar pro Jahr zahlen, die Gebühr soll schon bald auf 30 Dollar erhöht werden. Yahoo erprobt zur Zeit auch andere Einnahmequellen: Im Bereich der Online-Spiele wird für eine Monatsgebühr von acht Dollar der Service erweitert. Und die Betreiber von Websites des Yahoo-Netzwerks GeoCities sollen größere Speicherplätze erhalten, bis zu 100 MB zum Monatspreis von 20 Dollar.

10.4.2002 09:55