Steirische WK will 1/4 der Abfangjäger-Gegengeschäfte
- Präsident Mühlbacher: "Keine Typenpräferenz"

Nur über einen Abfangjägerkauf könnten Gegengeschäfte und Technologietransfer nach Österreich und in weiterer Folge in die Steiermark gelotst werden, sagt der steirische Wirtschaftskammer-Präsident Peter Mühlbacher. In Gesprächen mit Bürgermeistern und Betrieben will die WK den Widerstand gegen den Jäger-Kauf abbauen.
Es geh darum, Hochtechnologieprodukte und eine nachhaltige Ansiedelung von Forschung und Herstellung in internationaler Kooperation in der Steiermark zu sichern. Bei einem Gegengeschäftsvolumen von rund 300 Mill. Euro pro Jahr auf zehn bis 15 Jahre ließe sich bis zu einem Viertel für die Steiermark lukrieren, so der Präsident.
Abfangjäger-Type ist egal
Es gehe hier nicht um eine Präferenz für eine bestimmte Type von Abfangjäger, sondern um eine Entscheidung für ein modernes Muster mit Folgegeschäften, so Mühlbacher und WK-Vizepräsident Gilbert Frizberg unisono. "Ich habe nie ein Hehl aus meiner Überzeugung gemacht, dass mit dem Draken Schrott gekauft wurde. Das soll nun anders sein", so Frizberg.
Mühlbacher versuchte zu beruhigen. Es werde aus jetziger Sicht nicht mehr Flugbewegungen in Zeltweg und Graz geben. Mit einer abgesagten Beschaffung würde jedoch eine Riesenchance für die steirische Wirtschaft vorbeiziehen, "und das lasse ich nicht zu".
Jäger bringen neue Impulse
"In Zeiten der Dellen im Arbeitsmarkt müssen wir Nutzen aus Gegengeschäften ziehen", meinte Frizberg. So müsse es möglich sein, einen Rahmenvertrag zu schaffen, der eine Widmung von Teilbeträgen des Deals auf österreichwirksame Geschäfte vorsehe. Dies könne dann in Forschungs- und Impulszentren fließen, meinte Frizberg.
Gespräche mit Bürgermeistern
Zur Kritik an mangelnden Vorteilen aus den Draken-Geschäften besonders für den Jet-Stationierungsort Zeltweg erklärte Mühlbacher, man habe schon Wirtschaftstreibende und Bürgermeister der Region sowie Außenhandelsdelegierte zu Gesprächen zusammengebracht. Dass aus der Region trotz lockender Jobs dennoch Widerstand komme, wundert Mühlbacher nicht: "Die Bürgermeister zerreißt es - einerseits hätten sie gerne Betriebe, Jobs und Kommunalsteuern, andererseits soll alles leise sein. Doch hat alles seinen Preis", so der WK-Präsident.
Mit den Kompensationsgeschäften der bisherigen Zeit habe man gute Erfahrungen, sie seien nunmehr ein fester Bestandteil der künftigen Verträge. Es gäbe auch eine Pönale, wenn sie nicht eingehalten würden, so Mühlbacher. Ferner sei festgeschrieben, dass über 50 Prozent davon Klein- und Mittelbetriebe (KMU) umfassen müssten, "so tritt ein Lenkungseffekt ein".
Reibach mit Draken und Blackhawks
Die auch "Offsets" genannten Gegengeschäfte im Ausmaß von vereinbarten 130 Prozent hätten beim Draken bei einem Kaufpreis von 175,14 Mill. Euro schließlich 255 Prozent erreicht. Die Saab-Gruppe habe Geschäfte in der Höhe von 447,9 Mill. Euro mit rund 70 heimischen Unternehmen getätigt, führte Mühlbacher an. Allein bei den KMU seien die Bezüge von vertraglich festgelegten 21,53 Mill. Euro auf 30,62 Mill. Euro gewachsen.
Auch beim Offset mit Sikorsky, dem Lieferanten der S-70 Blackhawk-Hubschrauber, hätten die Firma Pankl in Bruck/Mur die Kapfenberger Böhler und die Österreichische Feinguss in Kapfenberg profitiert und so Zugang zu Hochtechnologie erhalten. Nicht näher definiert wurden von der WK allerdings die Gegengeschäfte mit Matra-Thomson (Mistral-Raketen) und dem Munitionslieferanten Bofors.

