Dienstag, 9. April 2002

Enron-Skandal: Andersen-Rechnungsprüfer gesteht

  • Zur Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaft bereit
  • Andersen will 7.000 Mitarbeiter entlassen

Im Enron-Pleiteskandal hat sich ein früherer Top-Mitarbeiter der US-Rechnungsprüfungsfirma Arthur Andersen schuldig bekannt, die Anweisung zur Vernichtung von Akten gegeben und damit die Justiz behindert zu haben. Nach schweren Verlustgeschäften im Zuge der Enron-Pleite will die Wirtschaftsprüfergesellschaft Arthur Andersen in den USA rund 7.000 Mitarbeiter entlassen.

David Duncan, der seinerzeit die Oberaufsicht über die Enron-Buchprüfung führte, erklärte sich am Dienstag vor einem Bundesgericht in Houston (Texas) zugleich zur Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft bei den weiteren Ermittlungen bereit. Im Gegenzug wird auf einen Prozess gegen ihn verzichtet, und er kann auf Strafmilderung hoffen.

Der Energiekonzern Enron, der im Dezember Bankrott angemeldet hatte, steht im Verdacht, seine prekäre finanzielle Lage mit Hilfe von dubiosen Partnerschaften verschleiert zu haben. Die US-Behörden erhoffen sich von Duncans Aussagen wichtige Aufschlüsse bei ihren Ermittlungen über die Hintergründe der Pleite. Andersen hatte Duncan im Jänner wegen der umfassenden Aktenvernichtung entlassen. Der Firma selbst steht ein Prozess wegen Behinderung der Justiz bevor.


Andersen trennt sich von 7.000 Mitarbeitern
Wie die Unternehmenszentrale des Wirtschaftsprüfers Andersen in Chicago mitteilte, werden 7.000 Mitarbeiter abgebaut. Das entspricht etwa einem Viertel der Belegschaft in den Vereinigten Staaten. Die Entlassungen würden in den kommenden Monaten erfolgen, hieß es. Am stärksten Betroffenen seien die Firmenbereiche Revision und Verwaltungsdienstleistungen.

Andersen ist nach dem Konkurs des Energieriesen Enron in Bedrängnis geraten. Unter anderem wurde dem Unternehmen vorgeworfen, Enron-Akten vernichtet zu haben, was bereits zu einer Anklage geführt hat. Doch schon vor Beginn des anstehenden Gerichtsverfahrens hat Andersen zahlreiche Klienten verloren. Niederlassungen im Ausland haben sich zum Teil vom Mutterkonzern losgesagt oder sind Fusionen mit anderen Firmen eingegangen.

9.4.2002 06:15