Mittwoch, 10. April 2002

Stichtag 30. April: Trennt sich Rapid von Matthäus?

  • Schwach: Rapid nächstes Jahr nicht im Europacup
  • "Loddar" gibt Durchhalteparolen aus und will kämpfen

Lothars Glanz ist verblasst. Bei seinem Antritt als Rapid-"Sportdirektor" letzten September wurde Matthäus noch als Fußball-Heiland gefeiert. Sieben Monate später hat das Image des ewigen Siegers einige Kratzer abbekommen. Rapid hat eine desaströse Saison hinter sich, eine Niederlage im Derby gegen die Austria am Sonntag könnte die bisher noch erstaunlich ruhige Fanbasis in Rage bringen. Auch in den oberen Etagen wird bereits über die Zukunft nachgedacht: Per 30. April haben "Loddar" und Rapid eine Ausstiegsklausel aus dem Vertrag. Präsident Edlinger verlautete kürzlich, dass nach einer Derby-Niederlage eine Trainerdiskussion nicht mehr zu verhindern wäre.

Ob das Lothar Matthäus lustig findet? Im "Rapidforum", dem offiziellen Diskussionsforum der grünweißen Fangemeinde im Internet, schlägt ein gewisser Peter vor: "Vielleicht sollten wir im Derby gegen Austria Wien gar nicht antreten. Dann würden wir nur 0:3 verlieren." Depression pur bei Rapid vor dem sonntägigen Prestigeduell mit dem violetten Erzfeind. Die Hütteldorfer sind hart auf dem Boden der Realität gelandet. Mit ihnen Lothar Matthäus, der deutsche Ex-Weltklassekicker und Rekordinternationale (150 Länderspiele). Böse Zungen behaupten sogar, bis dato sei "Loddar" häufiger in den Klatsch- als in den Sportspalten zu finden gewesen.

Freilich, seine sportliche Zwischenbilanz seit seinem Engagement im September 2001 liest sich eher nüchtern: Rapid dümpelt in der Zehnerliga auf dem achten Platz herum. In 21 Meisterschaftsspielen gab’s acht Siege, sechs Unentschieden und sieben Niederlagen. Torverhältnis 21 zu 20. Zu allem Überdruss dann noch das bittere Out im Cup. Schlimm: Erstmals seit der Saison 1994/95 ist Rapid somit in keinem internationalen Bewerb vertreten.

Matthäus gibt Durchhalteparolen aus, muss aber gleichzeitig feststellen, dass Geduld auch innerhalb der österreichischen Fußballgemeinde keine wirkliche Tugend ist. Stimmen gegen ihn werden nicht nur lauter, sondern auch immer heftiger. Auch vonseiten der Spieler, die nicht das erste Mal hinter vorgehaltener Hand über negative Auswirkungen einer zu harten Gangart im Training klagen. Matthäus, darauf angesprochen: "Es wird bei Rapid so professionell wie in der deutschen Liga gearbeitet. Nur hier haben die Spieler ein Problem mit der Psyche. Eigentlich geht es heuer nicht mehr um viel, da könnten sie ohne Druck spielen, sie tun es aber nicht." Warum das so ist, darauf habe er noch keine befriedigende Antwort gefunden.

Auch nicht in seinen zahlreichen Einzelgesprächen. Er wisse natürlich, dass die Mannschaft ob der fehlenden Erfolgserlebnisse total verunsichert ist. Aber ans Aufgeben verschwendet er selbst noch keine Gedanken. Matthäus: "Ich bin ein Kämpfertyp und habe genug Reserven. Ich will auch in der nächsten Saison bei Rapid arbeiten." Auch wenn Matthäus erklärt, er sei bei Rapid mit seinem Latein noch lange nicht am Ende, das Derby am Sonntag wird auch für ihn zum Schicksalsspiel. Bei einer Niederlage wird, wie Rapid-Präsident Rudolf Edlinger bereits vorsichtig anklingen ließ, die Trainerdiskussion endgültig entfacht sein. Per 30. April gibt’s für beide Seiten eine Ausstiegsklausel.

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10.4.2002 14:08