Montag, 8. April 2002

Wiener Fußball setzt ein Zeichen gegen Rassismus

  • Austria gegen Rapid im Zeichen der FARE-Aktionswoche
  • Auch Vereine der unteren Ligen zeigen Rassismus die Rote Karte

Beim 229. Wiener Derby zwischen den Fußballvereinen Austria und Rapid am kommenden Sonntag soll nicht nur die sportliche Fairness, sondern auch das gleichberechtigte Miteinander von Einheimischen und Fremden im Vordergrund stehen: Die Spieler der beiden Traditionsklubs werden bei der Begrüßung im Horr-Stadion große Rote Karten mit der Aufschrift "Zeig Rassismus die Rote Karte" präsentieren. Die Aktion ist Teil der zweiten Aktionswoche von "Football Against Racism in Europe" (FARE), an der sich vom 12. bis 21. April 2002 zahlreiche Wiener Klubs beteiligen.

Die Aktion wurde am Montag im Wiener Ernst Happel-Stadion von Prominenz aus Sport und Politik vorgestellt. Am Podium befanden sich unter anderem der Rapidler Thomas Sobotzik, Amateure-Trainer und Ex-Rapid-Verteidiger Peter Schöttel, Vizebürgermeisterin Grete Laska (S) und Integrationsstadträtin Renate Brauner (S). Rapid-Star Andreas Herzog und Austria-Kicker George Datoru ließen sich entschuldigen.

Vereine konstatieren Besserung
Für Sobotzik ist Rassismus vor allem ein Problem der Fans, und nicht der Spieler: "So etwas sollte genauso bestraft werden, wie Randale von Hooligans." In seinem täglichen sportlichen Alltag spiele Rassismus keine Rolle, so der gebürtige Pole: "Da geht es einzig und allein um die Leistung." Auch Schöttel erinnerte an Szenen, bei denen Spieler mit dunkler Hautfarbe mit "Uh, uh"-Rufen gedemütigt worden seien. "In der Fan-Szene ist seitdem viel passiert, das ist großteils abgestellt worden", betonte Schöttel.

Ähnlich sahen das die Vertreter des Klub-Managements von Rapid und Austria. Seit mehr als vier Jahren kümmere man sich "mit phantastischem Ergebnis" um die mehr als 75 Rapid-Fanklubs, so Rapid-Manager Werner Kuhn. Rassistische Zurufe in den Zuschauertribünen hätten sich dadurch deutlich verringert. Für Markus Kraetschmer, Manager bei der Austria, sind auch nicht-österreichische Spieler bestens integriert. So sei der nigerianische Stürmer George Datoru längst zum "Schurli" mutiert.

Laska spricht von Erfolg der Jugendarbeit
Laska wertete es als Erfolg der Wiener Jugendarbeit und der gemeinsamen Arbeit der Stadt mit den Sportvereinen, dass sich die Fans nicht mehr vor den Karren rechtsextremer oder neonazistischer Gruppen spannen ließen. "Wir haben versucht, der Jugend bewusst zu machen, was sie da brüllen." Für Brauner ist der Fußball das beste Beispiel dafür, wie die oft hohen Qualifikationen von Zuwanderern für alle Gewinn bringend genutzt werden können: "Ein Trainer würde von den Fans ja für verrückt erklärt, wenn er einen Spieler etwa wegen dessen Hautfarbe nicht einsetzt."
Von WSC bis Maccabi: Viele Klubs unterstützen die Aktion
Die Aktionswoche gegen Rassismus im Fußball wird auf europäischer Ebene von der UEFA unterstützt. Für die Koordination ist die am Wiener Institut für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit angesiedelte Initiative "FairPlay. Viele Farben. Ein Spiel" verantwortlich. Neben Rapid und Austria unterstützt auch eine Reihe weiterer Vereine - unter anderem der Wiener Sportclub, Vienna, FAC, aber auch Migrantenvereine wie Aytac SV, Partizan Wien oder SC Maccabi Wien, der einzige jüdische Fußballklub der Stadt - die Aktion.

8.4.2002 14:00