Dienstag, 9. April 2002

Ralf Schumacher kündigt Jagd auf seinen Bruder an

  • GP von San Marino wieder im Zeichen des Schumi-Duells
  • Weltmeister nimmt Kampfansage ernst, hat aber keine Angst

Ralf Schumacher hat vor dem Formel 1-GP von San Marino am Sonntag in Imola (14:00 Uhr/LIVE auf NEWS-Networld) eine bedingungslose Jagd auf seinen Bruder Michael Schumacher angekündigt. Der viermalige Formel-1-Weltmeister und aktuelle WM-Spitzenreiter Michael hatte zuletzt in Brasilien im nagelneuen Ferrari seinem kleinen Bruder im Williams-BMW eine Fahrstunde erteilt. Doch Ralf will nicht klein beigeben. "Ich bin nicht der brave Bruder, ich greife an", verkündete der Wahl-Salzburger.

Tatsache ist: Ausgerechnet beim Ferrari-Heimrennen hat Ralf Schumacher die große Chance, mit der Wiederholung seines Vorjahrestriumphes und etwas Schützenhilfe anderer Piloten erstmals seinen führenden Bruder von der WM-Spitze zu verdrängen. Vor dem Europa-Auftakt führt Michael Schumacher (24 Punkte) mit acht Zählern Vorsprung vor Ralf (16).

"Der hat genug Titel. Der braucht keinen mehr."
"Ich schenke Michael nichts. Im Gegenteil", versicherte Ralf Schumacher in einem Interview der "Bild"-Zeitung (Dienstag-Ausgabe). Nach bisher drei Rennen sei klar, dass er Weltmeister werden könne. "Da lasse ich doch meinen Bruder nicht vor. Warum auch? Michael hat in seinem Leben schon genug gewonnen", verwies der 26-Jährige auf die beeindruckende Erfolgsbilanz des sechseinhalb Jahre Ältern. "Der hat genug Titel. Der braucht keinen mehr."

Schumi I hat Respekt vor Williams
Michael Schumacher nimmt die Kampfansage ernst. "Mit Sicherheit ist Williams-BMW in Imola das konkurrenzfähigste Team", rechnet der 55-malige Grand-Prix-Sieger mit einem erneuten Duell zwischen den Weiß-Blauen und den Roten. "Im vergangenen Jahr waren sie dort auch sehr stark." Angst hat er trotzdem keine. Michael Schumacher setzt auf die Stärken des neuen Ferrari F2002.

"Der Erfolg in Brasilien gibt uns logischerweise Auftrieb, denn dieser Erfolg gründet sich auf dem guten Paket, das wir wieder zur Verfügung haben", sagte er. Der jüngste Sieg in Sao Paulo kam überraschend und hat Schumachers Zuversicht für seinen Start im Autodromo Enzo e Dino Ferrari weiter gesteigert. "2001 hatten wir in Brasilien so unsere Schwierigkeiten, in Imola war es dann ähnlich. Aber Brasilien hat ja gezeigt, dass das nichts für dieses Jahr bedeuten muss."

Ferrari setzt auf Unterstützung der Tifosi
Der Ferrari-Star ist optimistisch, die Vorjahrespleite wettmachen zu können. Damals musste er nach Bremsproblemen, einem Felgenschaden und einem schleichenden Platten weit abgeschlagen in der 25. Runde aufgeben. Das Team wisse auf Grund der negativen Erfahrungen 2001, dass es kein einfaches Rennen werde. "Aber wir wissen auch, dass wir uns seither verbessert haben", sagte Schumacher. "Wir treten beim Großen Preis von San Marino zuversichtlich an. Immerhin können wir mit der Unterstützung der Tifosi rechnen, was uns anspornen wird."

Revanchegelüste bei Ralf
Reichlich Ansporn hat auch der Bruder. "Im Vorjahr ist mir dort mein erster Sieg gelungen, also wüsste ich nicht, warum wir dort nicht auch in dieser Saison konkurrenzfähig sein sollten", sagte Ralf Schumacher. Zu gerne würde er Michael erneut das Heimrennen vermasseln und sich damit zugleich für die knappe Niederlage in Sao Paulo revanchieren. Den Vorwurf, in Brasilien wie ein "Weichei" auf eine Attacke verzichtet zu haben, wies der Verfolger zurück. "Hätte ich auch nur die kleinste Chance gesehen, ich hätte ihn überholt."

"Lieber zweiter Platz als hirnlos angreifen"
Mit einem süffisanten Seitenhieb auf seinen kolumbianischen Teamkollegen Montoya, der nach seiner Mini-Kollision mit Michael Schumacher den Frontflügel und damit alle Siegchancen verloren hatte, sagte Ralf Schumacher: "Ich nehme doch lieber sechs WM-Punkte für einen zweiten Platz mit als hirnlos auf der letzten Rille anzugreifen, wo es eigentlich gar nicht geht - um dann den Frontflügel zu verlieren." Abgerechnet werde zum Schluss. Forsch versicherte "Schumi II", dass er weder gegenüber seinem Bruder noch einem anderen Kontrahenten klein beigebe: "Wenn es sich lohnt voll anzugreifen - dann bin ich auch ein Draufgänger."

9.4.2002 13:12
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